Konzeptentwurf

  1. Einleitung
  2. Pädagogische Ansatz
  3. Lernen an unserer Schule
    1. Einleitung
    2. Lernformen
      1. Planarbeit
      2. Wahlarbeit
      3. Angebotsarbeit
      4. Projekte
      5. Freies Spiel
      6. Exkursionen
      7. Gruppenfahrten
      8. Feste in den Gruppen
      9. Gemeinsames Sommerfest
    3. Lernen in jahrgangsübergreifenden Gruppen
    4. Aufgaben der Erwachsenen bei den „Naturtalenten“
    5. Lernen in entspannter Umgebung
  4. Formen der Beurteilung
  5. Kompetenzerwerb bei den „Naturtalenten“
  6. Organisation des Schulalltags -Muster-Schultag-
  7. Digitalisierung und Umgang mit Bildschirmmedien – Medienkompetenz im Schulalltag
  8. Umgang mit Regeln, Grenzen und Konflikten
  9. Schutz des Kindswohl an der Freien Schule „Naturtalente“
    1. Schulinterne Kindswohlgefährdung
    2. Schulexterne Kindswohlgefährdung
  10. Inklusion
  11. „Weicher“ Schulanfang bei den „Naturtalenten“
  12. Schulwechsel
  13. Aufnahmevoraussetzungen
  14. Elternmitarbeit
  15. Schlussbemerkungen

1. Einleitung

Vorab ein Statement der Gründerinnen. Welche Intentionen gab es eine Schule zu gründen, welche Haltungen und Grundideen gibt es.

Statement Tanja: „Unser Sohn besuchte den nahegelegenen Waldkindergarten. Das naturpädagogische Konzept, welches unter anderem viel Bewegung an der frischen Luft, die Förderung von Kreativität und Wortschatz durch fehlendes vorgefertigtes Spielzeug und die Achtung vor der Natur ermöglicht, empfinden wir als eine optimale Grundlage, um den Wissensdurst und die Entdeckerlust von Kindern zu stillen. Schon sehr früh stellte sich mir die Frage, weshalb es in der Schule nicht nach einem solchen Konzept weiter gehen könnte. Aus diesem Gedanken heraus sprach ich andere Eltern an, welche ähnliche Vorstellungen hatten. Schließlich haben wir uns zu einer Gruppe und letztendlich zu einem Verein zusammengeschlossen um diese Idee in die Tat umzusetzen.”

Statement Neele: „Schon in meiner eigenen Schulzeit habe ich mir überlegt, dass es doch auch anders gehen muss. Meine Kinder haben bis zum Schulstart mit Begeisterung gelernt. Das möchte ich erhalten. Sie sollen sich die Freude und den Spaß am Lernen bewahren, die Welt eigenständig entdecken und dabei ihre Stärken nutzen und ausbauen. Gleichzeitig möchte ich sie in einem naturnahen Umfeld aufwachsen sehen. Dies sollte allen Kindern zuteilwerden.“

Statement Nicole: „Lernen ist ein menschliches Grundbedürfnis das Kinder von Geburt an verfolgen. Auf natürliche Art lernen, ohne dass man sie dazu erst überreden oder gar zwingen müsste. Diese Freude und Eigenständigkeit und dieses Interesse am Lernen kann zeitlebens erhalten bleiben. Das ist das Ziel diese Neugier zu behalten.“

Statement Rilana: „Der Entschluss sich für die Gründung einer freien naturpädagogischen Schule einzusetzen, ist für mich persönlich die logische Konsequenz aus der bedingungslosen Elternschaft, die wir zu Hause mit unseren Kindern leben.

Mir ist es äußerst wichtig, dass Kinder die Chance bekommen sich das Interesse und die Freude am Lernen selbst zu bewahren.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es in Zukunft umso wichtiger sein wird seinen Beruf mit Spaß und Hingabe auszuüben – nur so können kreative Lösungen gefunden werden und nur so erhalten wir uns letztlich die Relevanz menschlicher Arbeitskraft.

Die intrinsische Motivation der Kinder nicht durch Noten oder andere Belohnungssysteme zu untergraben, scheint für mich definitiv ein richtiger Weg zu sein.“

„Kinder wollen nicht wie Fässer gefüllt werden, sondern wie Leuchten entzündet.”
(Franҫois Rabelais, 1494-1553)

Im Jahre 2018 nahm die Idee einer „eigenen“ freien Schule langsam Gestalt an. Diese sollte eine Alternative zur Regelschule darstellen, ohne Frontalunterricht, Zensuren, Sitzenbleiben und Hausaufgaben auskommen, einen naturpädagogischen Schwerpunkt haben und möglichst viele Eltern in ihren Erwartungen an Wissensaneignungen und Lernen abholen. Anfang 2019 wurde der Verein “Interessengemeinschaft natürliches Lernen“ gegründet, dessen Ziel es ist eine freie Schule entstehen zu lassen.

Das nachfolgende Konzept soll den Rohbau eines Gebäudes darstellen, das durch die mitwirkenden Menschen erst mit Leben erfüllt wird. Die Innenausstattung ist nicht starr festgelegt, sondern offen für Veränderung – sei es durch aktuelle Forschungsergebnisse oder durch die im Haus Agierenden. Einzelne Räume dürfen umgestaltet, Dekoration vorgenommen und nötige Reparaturen durchgeführt werden. Die Mauern des Gebäudes bleiben allerdings unverändert und bilden einen sicheren Rahmen und Orientierung für die Menschen im Innern.

Personenbezogene Substantive schließen im laufenden Text stets alle drei Geschlechter (männlich, weiblich, divers) mit ein.

2. Pädagogischer Ansatz

„Die Grunderkenntnis der modernen Neurobiologie heißt: Kinder, und zwar alle Kinder, kommen mit einer unglaublichen Lust am eigenen Entdecken und Gestalten zur Welt. Nie wieder ist ein Mensch so neugierig, so entdeckerfreudig, so gestaltungslustig und so begeistert darauf, das Leben kennenzulernen, wie am Anfang seines Lebens. Diese Begeisterungsfähigkeit, diese enorme Lernlust und diese unglaubliche Offenheit der Kinder sind der eigentliche Schatz der frühen Kindheit.“

So Gerald Hüther in dem Text „Neurobiologische Argumente für die Verwandlung von Kitas in Werkstätten des Entdeckens und Gestaltens“ unter Punkt 2, Buch Karsten Engewald, bsj Marburg

http://bvnw.de/wp-content/uploads/2012/02/neurobiologischeargumentefuerdieverwandlungvon.pdf

Dieses Zitat beschreibt exakt unsere Auffassung von der (Lern-)Natur des Menschen.

Bei den Naturtalenten machen wir es uns zur Aufgabe die intrinsische Motivation der Kinder zu fördern und zu bewahren.

Jedes Kind ist von Natur aus ein Talent. An unserer Schule lernen Kinder der Natur des Menschen entsprechend und darüber hinaus auch viel in der Natur selbst.

Jedes Kind lernt anders, hat seine Art und Weise, sein Tempo und auch seine Themen. Jedes Kind hat das Bedürfnis zu lernen und seinen Weg zu finden.

Jedes Kind soll die Möglichkeit bekommen, sich intensiv dem zu widmen, was ihn beschäftigt oder was er an sich verbessern möchte.

Um der Einzigartigkeit der Kinder gerecht zu werden, treten an unserer Schule altersgemischte Gemeinschaften, vor allem aber individuelles Lernen und freies Spiel an die Stelle der Klassenstruktur.

Kinder und Erwachsene fühlen sich alle gemeinsam für die Schule verantwortlich und dafür, dass sich dort jeder nach Herzenslust seiner persönlichen Bildung widmen kann ohne diskriminiert, behindert oder gestört zu werden.

So lernt jeder schon im Alltagsablauf, seine individuellen Interessen zu entdecken, zu fördern und für sie einzustehen, wie auch für das Gemeinwohl Verantwortung zu übernehmen und sich in die soziale Gemeinschaft einzubringen.

Entscheidungen, die die gesamte Schulgemeinschaft hinsichtlich des Zusammenlebens betreffen, werden demokratisch in der Schulversammlung entschieden, in der jeder eine Stimme hat – egal ob Schüler oder Lehrer. Beispielsweise kann über die Schulhofgestaltung oder über einen wünschenswerten Umgang miteinander abgestimmt werden. Diese Versammlungen sind viermal jährlich vorgesehen und können zusätzlich bei Bedarf einberufen werden, wenn die Kinder sich hierfür einsetzen und beispielsweise Unterschriften sammeln. Demokratie ist so nicht nur Lernstoff, sondern gelebte Normalität.

Unser Ziel ist es eine Grundlage für ökologisch sinnvolles Handeln, Verhalten und Entscheiden zu schaffen. Dabei sollen nicht nur Interesse und Freude an der Natur geweckt werden, sondern auch Grenzen und daraus ableitende Notwendigkeiten menschlicher Eingriffe im Wechselwirkungsgefüge aufgezeigt werden.

Kinder können anhand ihrer Naturerfahrungen ihre Stellung als Mensch in den Ökosystemen der Natur erfassen. Durch Umweltbildung können sie erlernen, dass die intellektuellen und technischen Möglichkeiten verantwortliches Handeln erfordert. In der Kindheit werden Charaktereigenschaften, Werte und Normen geprägt. Weder städtischer Lebensraum noch Presse, Funk, Fernsehen und Internet ermöglichen das Lernen aus dem direkten Kontakt der Natur. Demzufolge sind die Kenntnisse vieler Menschen über ihren biologischen Lebensraum oft sehr gering. Die Umweltpädagogik will diese Lücke mit bewusst gestalteten Aktivitäten füllen. Besonders Kinder im Vor- und Grundschulalter sind sehr gut für jede Art von Naturerfahrung zu begeistern.

Intensives Wahrnehmen der Natur war schon immer ein wichtiger Motor wissenschaftlichen Fortschritts. Ob Newton den Apfel vom Baum fallen sah, Konrad Lorenz mit seinen Gänsen schwimmen ging oder Erwin Schrödinger seine Katze bemühte (und im Gedankenexperiment in Lebensgefahr brachte) um das Paradoxon der Quantenmechanik zu erläutern – die Neugierde auf die Natur war ein Fortschrittsmotor. Natur- und Umwelterziehung sind deshalb nicht nur Umweltschutzmaßnahmen, sondern erfüllen einen sehr breiten Bildungsauftrag.

Die Naturpädagogik versteht Bildung als einen ganzheitlichen Vorgang. Neben spielerischem und forschendem Erkunden stehen die sinnliche Wahrnehmung, das kreative Gestalten, Handwerkliches und das Experimentieren im methodischen Mittelpunkt. Naturpädagogik bedeutet die Natur mit allen Sinnen zu erforschen. Freies Spiel fördert die Kreativität und die Fantasie, regt außerdem zum Experimentieren an. Die Auseinandersetzung mit der Natur, ihren Phänomenen und Prozessen hat positive Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung der Kinder. Auf Basis einer Verbundenheit zwischen den Kindern und der Natur wird ein respektvoller Umgang mit dieser gefördert.

Der Schwerpunkt liegt darin die Aktivitäten hauptsächlich nach draußen zu verlagern und Naturwissenschaften aktiv zu erleben. Naturwissenschaft lässt sich nur unzureichend in einzelne Fächer unterteilen. Biologie, Chemie und Physik (im Grundschulbereich Sachkunde) gehören zusammen und wirken viel plastischer in einer gemeinsamen Fragestellung. Man könnte sich zum Beispiel einen Baum anschauen, sich fragen, wie dieser mit Wasser versorgt wird und versuchen eine Wassersäule gegen die Schwerkraft zu pumpen. Im optimalen Fall sprudelt das Wasser 10 Meter hoch. Bäume werden allerdings zwischen 20 – 40 Meter hoch. Wie funktioniert das, wie macht der Baum das? So weckt man wirkliches Interesse der Kinder zum Beispiel für physikalisch-biologische Fragestellungen.

Wir wollen die Kinder für den Verlauf der Jahreszeiten sensibilisieren und eine gesunde Lebensweise vermitteln. Angebote und Projekte richten sich nach den Jahreszeiten, Erntezeiten und den Elementen. Der Anbau, die Ernte und Verarbeitung von Kräutern, Obst und Gemüse stellt einen wichtigen Teil unserer Arbeit mit den Kindern dar.

So oft es möglich ist, wird den Kindern Kontakt zu Tieren ermöglicht. Ehrfurcht vor dem Leben wird gelehrt und der positive Einfluss von Tieren auf das Lernen genutzt. Verdeutlichen, dass jedes Lebewesen eine Aufgabe im großen Ganzen erfüllt und wichtig ist. Wenn möglich könnte ein ausgebildeter „Päd-Dog“[1] oder ein qualifizierter Besuchshund im Unterricht zum Einsatz kommen.

Vgl. z.B.

Jedes Kind ist eine eigene Persönlichkeit mit Interessen, Stärken, Fähigkeiten, Kompetenzen und Gefühlen. Wissbegierig, forschend, individuell, eigenaktiv, interessiert, begeisterungsfähig, bewegungsfreudig, fantasiereich, engagiert, mutig, emotional,…!

Daher ist uns bei den Naturtalenten wichtig:

  • eine anregende Lernumgebung zu schaffen
  • das Forschen, Erkunden und Entdecken mit allen Sinnen zu ermöglichen
  • durch Fantasie eigene Ideen entstehen zu lassen und diesen nachgehen zu können
  • die Möglichkeit zum Sammeln eigener Erfahrungen zu geben
  • das Erfahren und Erkennen der eigenen Grenzen zu ermöglichen
  • Werte und soziale Kompetenzen innerhalb der Gruppe zu vermitteln
  • durch Partizipation die Kompromissbereitschaft zu fördern
  • Vertrauen zu vermitteln und Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen
  • /dass die Kinder sich mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen

Die Erwachsenen sehen sich im gesamten Tagesablauf als Begleiter, Hilfesteller und Impulsgeber der Kinder, setzen Vertrauen in ihr selbständiges Handeln und ihren inneren Bauplan.


[1] „Päd-Dog“: Hund, der von einem Pädagogen im Bereich tiergestützte Therapie ausgebildet wurde und in Kindergarten oder Schule eingesetzt bzw. geführt wird.

3. Lernen an unseres Schule

3.1. Einleitung

„It doesn´t matter how motivated students are;
what matters is how students are motivated.“

(Alfie Kohn)

„Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einem Schüler, dessen Ziel es ist eine gute Note zu bekommen und einem Schüler, dessen Ziel es ist ein Problem zu lösen oder eine Geschichte zu verstehen. Darüber hinaus lassen Forschungsergebnisse darauf schließen, dass oft drei Dinge passieren, wenn Kinder gedrängt werden bessere Noten in der Schule anzustreben: Sie verlieren das Interesse am Lernen selbst, sie versuchen schwierige Aufgaben zu vermeiden und sie neigen weniger dazu gründlich und kritisch nachzudenken.“

Alfie Kohn, „Liebe und Eigenständigkeit“, 2010, Seite 97

Dazu kommt die Illusion Kinder eines Alters wären eine homogene Gruppe und ihre Fähigkeiten würden sich in jedem Bereich gleich schnell, gleich gut und zu gleichem Zeitpunkt ausbilden.

An unsere Kinder werden heute in fast allen Lebensbereichen andere Erwartungen gestellt, als noch vor etwa 20 Jahren. Zum Beispiel wird in Zukunft vermehrt erwartet, dass über sogenannte „Softskills“ verfügt wird; ist man fähig im Team zu arbeiten, in Zusammenhängen zu denken und eigenverantwortlich zu handeln, erfüllt man die Schlüsselqualifikationen für viele überarbeitete, bzw. neu erschaffene Berufsbilder. Das Abrufen erlernter Inhalte wird immer mehr in den Hintergrund treten.

„Bildung ist dann am effizientesten, wenn sie nicht unter Effizienz-Gesichtspunkten vorangetrieben wird.“
Richard David Precht, „Anna, die Schule und der liebe Gott“, 2014, Seite 94

Auch hierin ergründet sich unsere Intention eine Schule zu gründen, die mit der Zeit geht.

Uns ist wichtig, dass Schüler erfahren dürfen:

  • dass sie richtig sind, wie sie sind
  • dass ihre Bedürfnisse wichtig sind und wahrgenommen werden
  • dass ihre intrinsische Motivation erhalten und gefördert wird
  • dass sie in der Schule mehr lernen als Lesen, Schreiben und Rechnen

Sie lernen für das Leben – für ihr eigenes, aber auch für die Achtung allen Lebens.

3.2. Lernformen

Den Kindern werden vielfältige Möglichkeiten geboten sich Wissen anzueignen und neu Erlerntes zu vertiefen bzw. mit vorhandenem Wissen zu verknüpfen.

3.2.1. Planarbeit

Arbeit mit didaktischen Materialien (Bücher, Arbeitshefte, usw.) zur Auseinandersetzung mit Thematiken in den Fachbereichen Lesen, Schreiben, Rechnen, Sachunterricht und Sprache nach Stundenplanvorgabe.

3.2.2. Wahlarbeit

Hier wird aus Kulturtechniken, musikalischen, kreativen und gestalterischen Einheiten oder sportlichen Elementen von den Kindern ein Lernvorhaben ausgewählt, das sie dann einzeln oder in Kleingruppen bearbeiten. Sie werden dabei von Erwachsenen begleitet und können aus einem Pool vielfältiger Arbeitsmaterialien (Lernspiele, Arbeitsblätter, Lernprogramme am Computer, Lernmaterialien Montessori) auswählen. Es finden zudem regelmäßig Zusammenführungen von gleichaltrigen Kindern statt; zum Beispiel arbeiten die Kinder des vierten Schuljahres in einem gemeinsamen Projekt.

3.2.3 Angebotsarbeit

Die Kinder können sich für Angebote entscheiden; diese können einmalig sein oder über einen längeren Zeitraum hinweg stattfinden. Es gibt dabei selbst organisierte gruppeninterne und gruppenübergreifende Angebote, denkbar wäre zum Beispiel ein von den Kindern selbstverwalteter Kiosk, Werken, Gärtnern oder Fußball.

3.2.4 Projekte

Arbeitsintensiven Themen kann sich in Projekttagen gewidmet werden. z.B. als einzelner Projekttag zu einem speziellen Thema, als wiederkehrender Projekttag über einen festgelegten Zeitraum ( Beispiel: 4 aufeinanderfolgende Dienstage) oder als ganze Projektwoche.

3.2.5 Freies Spiel

Das freie Spiel wird von uns als wichtiger Lernprozess angesehen. Im Spiel können Kinder ihrem Bedürfnis nach freiem Experimentieren und ihrem Nachahmungstrieb nachgehen. Aus dem freien Spiel heraus entsteht Motivation neue Fertigkeiten zu erwerben und es entstehen Impulse für Projekte und die Angebotsarbeit

3.2.6 Exkursionen

Viele der Techniken, die in der Schule erworben werden, können hier nur unzulänglich angewandt werden oder bleiben sehr theoretisch. Es ist für uns selbstverständlich den Kindern an unserer Schule vielfältige Kontakte und Erfahrungen mit und in realen Lebenszusammenhängen und Phänomenen zu ermöglichen. So könnte man zum Beispiel das Bieneninstitut in Celle besuchen, nachdem man sich zuvor mit Bienen, Imkerei und deren ökologischen Stellenwert beschäftigt hat.

3.2.7 Gruppenfahrt

Diese findet einmal jährlich statt. Die Schüler können abwechslungsreiche Lernerfahrungen außerhalb des Schulgebäudes machen, sich sozial weiterentwickeln und mit ihrer Gruppe zusammenwachsen.

3.2.8 Feste in den Gruppen

Die Kinder können sich mit ihren Wünschen und Vorstellungen einbringen. Welche Feste werden wie gefeiert (Geburtstage, Ostern, usw.)? Rituale können festgelegt werden.

3.2.9 Gemeinsames Sommerfest

Die freie Schule „Naturtalente“ feiert mit allen Menschen, die sie zu dem machen, was sie ist.
Das Zusammengehörigkeitsgefühl wird gestärkt.

3.3. Lernen in jahrgangsübergreifenden Gruppen

Im Grundschulbereich streben wir an jeweils etwa 20 Kinder zu Gruppen zusammenzusetzen. Es werden jeweils Kinder des ersten und zweiten Schuljahres und des dritten und vierten Schuljahres gemeinsam beschult. In jeder Gruppe gibt es etwa gleich viele Jungen und Mädchen. Jede Gruppe wird von 2 Erwachsenen betreut (mindestens eine Lehrkraft plus eine pädagogisch qualifizierte Kraft).

Es wird bei den Naturtalenten die Möglichkeit geben sogenannte „Kann-Kinder“ und „Flexi-Kinder“ (gemäß Definition Informationsblatt zur Flexibilisierung des Einschulungstermins, Stand Juli 2019, Niedersächsisches Kultusministerium) als Vorschüler einzuschulen. Diese haben dann 3 Jahre Zeit die geforderten Kompetenzen der ersten zwei Schuljahre zu erfüllen. Den Eltern wird so ggfs. eine schwere Entscheidung erleichtert, wenn sie unsicher sind, was den Verbleib im Kindergarten bzw. den Wechsel in die Schule angeht.

Beim Lernen in altersgemischten Gruppen ergeben sich viele Vorteile:

  • Bei der Einschulung treffen die Kinder auf ein gut funktionierendes Gruppengefüge; das Ankommen in der Gruppe wird somit erleichtert
  • Gleichberechtigtes Zusammenleben und gegenseitige Achtung werden erlernt
  • Rituale und Regeln werden durch Nachahmung und Miterleben ganz natürlich vermittelt
  • Ein Teil der Gruppe bleibt immer konstant und gibt somit Sicherheit
  • Die Kinder können in vielfältige Rollen hineinwachsen (sie erleben sich als Ältere, Jüngere, als Helfende, als Hilfe Empfangende,…)
  • Die Möglichkeit sich untereinander zu unterstützen stärkt das Selbstbewusstsein, festigt das eigene Wissen und erleichtert das Bitten um Hilfe (durch die kleinen Gruppen ist es jedoch nicht zwingend nötig, kein Kind muss sich verpflichtet fühlen zu helfen)
  • Es entsteht ein „Wir-Gefühl“, Konkurrenzdenken sollte eine untergeordnete Rolle spielen
  • Jüngere und ältere Kinder profitieren gleichermaßen voneinander
  • Jedes Kind kann in seinem individuellen Lerntempo lernen. In der eigenen festen Gruppe und in regelmäßigen Abständen auch mit anderen Kindern im gleichen Alter

3.4. Aufgaben der Erwachsenen bei den „Naturtalenten“

Den Erwachsenen an unserer Schule kommt eine hauptsächlich unterstützende Rolle zu. Sie sind Ansprechpartner, wenn:

  • ein Kind Interesse(n) äußert
  • ein Kind Schwierigkeiten mit einer Aufgabe hat
  • Material zu beschaffen ist, zu dem die Kinder keinen Zugang haben
  • Möglichkeiten der Recherche zu einem Thema aufgezeigt werden müssen
  • Hilfe bei sozialen Problemen gefordert ist
  • Kontakte hergestellt werden müssen

Zudem zeichnen sich die Erwachsenen durch einen wertschätzenden Umgang mit den Kindern aus. „Die gewaltfreie Kommunikation“ (Buch: „Konflikte lösen durch gewaltfreie Kommunikation“, Basispaket GFK-Grundlagen und Training, Marshall B. Rosenberg, 2004) ist bekannt, wird angewandt und der Einsatz durch Reflexionen, tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema in Projekten usw. immer weiter verbessert.

Der intensive Kontakt zwischen den Erwachsenen und den Kindern, vor allem aber die respektvolle Begleitung schaffen einen Raum von Vertrautheit, der einen offenen Umgang ermöglicht. Die Kinder haben keinen „Lehrkörper“ vor sich, sondern eine authentische Person, mit der sie sich identifizieren können.

„In dem Maße, wie wir es fertig bringen, mit den Kindern „wir selbst“ zu sein und nicht nur eine Rolle spielen, aus der wir uns nach Beendigung des Unterrichts wieder herauspellen, sind auch die Kinder „sie selbst“ und zeigen uns in aller Offenheit wie unsere guten Absichten auf sie wirken.“

Rebeca Wild, „Sein zum Erziehen“, 1998, Seite 85

3.5. Lernen in entspannter Umgebung

Sind wir Menschen unentspannt oder fühlen uns gestresst, kann unser Gehirn nicht richtig funktionieren und es schaltet in eine Art Fluchtmodus um. Der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüter betont den „angstfreien Lernraum“ als Voraussetzung für die Bildung von neuronalen Strukturen im Gehirn, die einen Umgang mit schwierigen Aufgaben und Situationen als Herausforderung statt als drohenden „Untergang“ überhaupt erst ermöglichen. (Quelle: nationaler Bildungskongress „Wie Kinder lernen“, Stuttgart, 2004).

Die Studie „Reaktion auf Leistungsbeurteilung: Auswirkungen auf Noten, Lob und Art der Informationsquelle“ („Response to Assessment Feedback: The Effects of Grades, Praise and Source of Information“, https://www.ets.org/media/research/pdf/RR-08-30.pdf, Anastasiya A. Lipnevich / Jeffrey K. Smith, Educational Testing Service ETS, 2008) belegt, dass Noten den Lernerfolg vermindern.

Die für den Lernerfolg förderlichste Methode sei ein „Persönliches Feedback ohne Noten“, da dies die besten Lernerfolge hervorbringe.

Bei den „Naturtalenten“ gibt es keine Noten bzw. Bewertungen in Form von Smileys, Ampelsystem o.ä., keine Manipulationen oder ungebetene Ratschläge. Die Kinder werden in ihrem Lernprozess unterstützt und von kompetenten Erwachsenen begleitet. Durch den Wegfall des permanenten Vergleichens der eigenen Fähigkeiten mit denen der anderen Kinder entsteht für die Schüler eine angstfreie, fröhliche, lern- und kooperationsfreundliche Atmosphäre.

4. Formen der Beurteilung

„Nachhaltig lernen kann man erst dann, wenn es emotional aufgeladen ist, also Freude macht“

Gerald Hüther

Bei der Bewertung unserer Schüler legen wir Wert darauf, nicht in erster Linie das Ergebnis sondern vor allem den Lernfortschritt und Lernprozess der „Naturtalente“ darzustellen, wertzuschätzen und individuell zu beschreiben. Daher wird die zu einem bestimmten Zeitpunkt erbrachte Leistung nicht durch Noten ausgedrückt.

Die Lehrer führen über jedes Kind ein Portfolio, in dem Arbeitsnachweise, Beobachtungen, sowie Selbsteinschätzungsbögen des Kindes gesammelt werden. Die Schüler werden dazu angehalten ihre Kompetenzen selbst einzuschätzen und diese Einschätzungen dann mit den Beobachtungen der Lehrer abzugleichen. So lernen die Kinder immer zuverlässiger sich einzuschätzen, sich realistische Ziele zu setzen und den Lernfortschritt erfolgreich zu planen. Hierfür werden regelmäßige Gespräche geplant und dokumentiert.

Die ausführliche Dokumentation der Lernprozesse dient gleichzeitig der Reflexion der Entwicklung und dem Überblick über verwendete Materialien sowie einer Beschreibung sozialer Kompetenzen. Vorlieben und Stärken können besonders hervorgehoben, Schwächen rechtzeitig entdeckt und durch individuelle Hilfestellungen minimiert werden.

Zum Schulhalbjahr und zum Ende eines Schuljahres werden für Eltern verpflichtende Gespräche geführt, in denen sie über die Entwicklung und die erreichten Kompetenzen des Kindes informiert werden. Bei den Gesprächen werden auch Ziele für das kommende Schulhalbjahr gesteckt. Die Lernziele orientieren sich an den curricularen Vorgaben der Primarstufe des Landes Niedersachsen.

Schüler können gern an den Entwicklungsgesprächen teilnehmen, sind aber nicht verpflichtet. Als Dokument erhalten die Eltern eine Zusammenfassung des Portfolios in Berichtform. Das Portfolio kann jederzeit von Eltern und Schülern eingesehen werden.

Das Wiederholen einer Klasse ist generell nicht nötig. Wenn ein Schüler mehr Zeit benötigt, um die Jahrgangsziele zu erreichen, verweilt er länger als 4 Jahre in der vertrauten Lerngruppe. Sind die Ziele schneller erreicht, kann ein Schüler auch nach 3 Jahren auf die weiterführende Schule übergehen, sofern nicht nur die fachliche, sondern auch die soziale Entwicklung angemessen ist. Das Vorgehen ist in jedem Fall individuell mit den Eltern abzusprechen und auf das jeweilige Kind anzupassen.

Um die Schüler, die auf eine weiterführende Regelschule übergehen sollen, auf die damit verbundene Notenvergabe vorzubereiten, können ab Klasse 4 Noten erklärt und Leistungen in diesem Spektrum eingeordnet werden.

Es kann Lernstandskontrollen geben, die jeder Schüler durchläuft, den Zeitpunkt jedoch mit der Lehrkraft abspricht. So wird sichergestellt, dass das jeweilige Kind bereit ist und keine Überforderung erfährt.

Sollten bei einem Kind gravierende Schwierigkeiten auffallen, die nicht auf eine längere Fehlzeit durch z. B. Krankheit zurückzuführen ist, kann eine Förderschullehrkraft hinzu gezogen werden, um einen eventuellen Förderbedarf festzustellen.

5. Kompetenzerwerb bei den „Naturtalenten“

Wie stellen wir sicher, dass die Kinder an unserer Schule den von der Landesschulbehörde geforderten Wissensstand erlangen?

Der Kompetenzerwerb an unserer Schule orientiert sich in den Inhalten ganz klar am Niedersächsischen Kerncurriculum für den Primärbereich. Der Unterschied liegt bei den Naturtalenten lediglich im eingeschlagenen Weg zum Kompetenzerwerb.

Unsere Herangehensweise möchten wir folgend am Beispiel des Faches „Sachunterricht“ näher erläutern. Hierfür haben wir das Beispiel „Bienen und Imkerei“ gewählt.

Kerncurriculum für die Grundschule Schuljahrgänge 1 – 4, Sachunterricht, Niedersächsisches Kultusministerium, 2017, Seite 5, https://db2.nibis.de/1db/cuvo/datei/0004_gs_sachunterricht_40.pdf:

Im Sachunterricht erwerben die Schülerinnen und Schüler grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Haltungen, die es ihnen ermöglichen, sich ihre Lebenswelt aktiv zu erschließen, eine individuelle Orientierung in unserer globalen Welt zu erhalten und nachhaltig an der Gestaltung ihrer Zukunft mitzuwirken.

Der Sachunterricht geht von einer vielfältigen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler aus und berücksichtigt ihre individuellen Voraussetzungen und Interessen. Hieran anknüpfend ermöglicht ihnen der Sachunterricht, sich zielgerichtet, aktiv und handelnd mit Problemstellungen auseinanderzusetzen und die Welt zu erkunden. Das zielgerichtete Formulieren und Bearbeiten von Fragen, das eigenständige und gemeinsame Überprüfen von Vermutungen, das Mitteilen und Klären von Erfahrungen als fachspezifische Lernkultur unterstützen zunehmend den Erwerb von Konzepten, Methoden und Theorien und wirken sich fachübergreifend auf die Motivation der Schülerinnen und Schüler aus.

Der Sachunterricht ist vielperspektivisch angelegt. Er nimmt Bezug auf verschiedene fachwissenschaftliche Disziplinen, die sich in den fünf Perspektiven „Technik“, „Natur“, „Raum“, „Gesellschaft, Politik und Wirtschaft“ sowie „Zeit und Wandel“ widerspiegeln, und verknüpft diese sinnhaft. Die sich daraus ergebenden Vernetzungsmöglichkeiten tragen so der Forderung nach einem interdisziplinären Denken und Handeln Rechnung und lassen die Schülerinnen und Schüler wechselseitige Abhängigkeiten erkennen, um Wertmaßstäbe für ihr eigenes Handeln sowie ein Verständnis für gesellschaftliche Entscheidungen zu entwickeln. Der Sachunterricht fördert zum einen die Demokratiefähigkeit im Sinne von Mündigkeit, Selbstbestimmung, Mitbestimmung, Solidarität und Gleichberechtigung, zum anderen trägt er zur Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler bei und berücksichtigt hierbei auch die Vielfalt sexueller Identitäten. Darüber hinaus bietet der Sachunterricht im besonderen Maße Gelegenheiten, soziale Kompetenzen zu erwerben und im täglichen Miteinander zu erproben.

Gewichtige Schritte auf dem Weg zum Kompetenzerwerb im Sachunterricht sind:

Nachfolgende Punkte laut Landesschulbehörde im Vergleich zu einem Beispiel der Umsetzung bei den „Naturtalenten“

 A) Erkunden der Lebenswelt:

Achtsamer Spaziergang zum Thema „Bienen“

B) Betrachten und Beobachten:

Genaues Ansehen von Bienen und den Blüten, die die Bienen besuchen

 C) Sammeln, Vergleichen, Ordnen und Bestimmen:

Welche Blüten sind bekannt?
Welche (bisher) unbekannt?
In einem Notizbuch können nun „Forschungsergebnisse“ notiert oder Blüten abgemalt werden; mit einer Lupe werden die Blüten studiert, einzelne Exemplare evtl. gesammelt um diese später zu bestimmen.
Auch können Blüten fotografiert werden.

D) Texte, Bilder, Diagramme und Schaubilder erschließen:

Trachten und Blüte[1]

E) Fragen und Vermutungen entwickeln und überprüfen:

Richten sich Bienen nach der Uhrzeit? [2]

Sterben Bienen wirklich, wenn sie einen Menschen stechen, und warum?

Wie viele Blüten kann eine Biene pro Tag bestäuben?

F) Vorhaben planen, organisieren, durchführen und reflektieren:

Bienenfreundliche Blumen pflanzen.

Unterschlüpfe für Wildbienen bauen.

Beobachten/Zählen, wie viele Bienen vorher zu einer bestimmten Tageszeit an einem Ort unterwegs sind und wie viele nach Durchführung der o. g. Maßnahmen.

G) Versuche planen, durchführen und auswerten:

Bestäuben wie die Bienen[3]

Teste deinen Geschmack[4]

H) Mit Arbeitsmitteln sachgerecht umgehen:

Lupe, Kamera, Stift, Block, lebendes Material, Bücher, Computer (Internet), Pflanzen, Werkstoffe (z. B. Holz), Werkzeuge

I) Ergebnisse dokumentieren:

Je nach Alter bzw. Grad des Kompetenzerwerbs: Schreiben, malen, fotografieren, Strichliste

J) Personen- und Quellenbefragung vorbereiten, durchführen und auswerten:

Imkerbesuch (vielleicht Hobby-Imker unter den Eltern?).

Zuvor Fragen der Kinder sammeln, entscheiden, ob jeder seine Frage(n) selbst stellt oder „Wortführer“ ernennen.

Protokollanten ernennen.

Antworten des Imkers sammeln.

K) Skizzen und Sachbezeichnungen anfertigen:

Blumenwiese mit Bienen malen.

Futter- und Brutzellen zeichnen.

Aufbau einer Blüte skizzieren.

Skizze anfertigen à Der Apfelbaum rund ums Jahr à mit Frucht „Apfel“ als Ergebnis.

Das Innere der Biene, mit Augenmerk auf Honigmagen, malen.

L) Zeitleisten, Zeichnungen, Tabellen, Diagramme, Grafiken und Pläne lesen und deuten:

Das Leben einer Biene[5]

M) Fachübergreifend:

Zudem kann über das Thema „Bienen“ Bezug zu Zahlen und Rechnen hergestellt werden:

Babys und Bienen[6]

Vielflieger Arbeitsbiene 8000 km[7]

Eier pro Jahr[8]

Wusstest du schon, dass eine Bienenkönigin durchschnittlich 120.000 Eier pro Jahr legt?
Ein Huhn bräuchte dafür ganze 320 Jahre!

Fazit:

Die Inhalte des Kerncurriculum sind für uns auch in den anderen Fächern bindend. Der Unterschied liegt bei den „Naturtalenten“ lediglich im eingeschlagenen Weg zum Kompetenzerwerb. So erfolgt der Unterricht bei uns fächerübergreifend (in obigen „Bienenbeispiel“: Sachkunde, Mathematik, Biologie und Erdkunde), naturnah und mit möglichst vielen praktischen Anteilen.

[1] Broschüre „Die Bienen- & Honigforscher“ vom „Deutschen Imkerbund e.V.“, 2011, Seite 5

[2] Broschüre „Die Bienen- & Honigforscher“ vom „Deutschen Imkerbund e.V.“, 2011, Seite 11

[3] Broschüre „Die Bienen- & Honigforscher“ vom „Deutschen Imkerbund e.V.“, 2011, Seite 4

[4] Broschüre „Die Bienen- & Honigforscher“ vom „Deutschen Imkerbund e.V.“, 2011, Seite 13

[5] Broschüre „Die Bienen- & Honigforscher“ vom „Deutschen Imkerbund e.V.“, 2011, Seite 9

[6] Broschüre „Die Bienen- & Honigforscher“ vom „Deutschen Imkerbund e.V.“, 2011, Seite 8

[7] Broschüre „Die Bienen- & Honigforscher“ vom „Deutschen Imkerbund e.V.“, 2011, Seite 10

[8] Broschüre „Die Bienen- & Honigforscher“ vom „Deutschen Imkerbund e.V.“, 2011, Seite 14

6. Organisation des Schulalltags -Muster-Schultag-

Die Grundschule wird in der Zeit von 8 bis 16 Uhr geöffnet sein, wobei die reine „Unterrichtszeit“ von 9 bis 14 Uhr geplant ist.

So wollen wir den Spagat zwischen dem Bedürfnis der Kinder nach zu bewältigenden Schultagen und dem Bedürfnis der Eltern nach Betreuung ihrer Kinder schaffen.

Am Ende bestimmen aber natürlich die Schüler und Eltern wie häufig in der Woche bis 16 Uhr eine Betreuung stattfindet. Die Kinder sind nicht verpflichtet dieses Angebot anzunehmen.

Zudem streben wir eine Betreuung der Schüler in den Ferien an, beispielsweise zwei Wochen innerhalb der Sommerferien.

Wir bieten den Kindern Raum und Zeit für Aktivität einerseits, andererseits Struktur durch immer wiederkehrende Angebote. So kann sich ein Gefühl für Zeit entwickeln und die SchülerInnen orientieren sich selbst im Tagesablauf.

Es gibt keine Schulklingel, keine starren Zeiteinheiten – die Angaben dienen nur der Orientierung.

8:00 Uhr bis 9:00 Uhr Gleitzeit

  • Offener Beginn des Schultages

Ab 9:00 Uhr Morgenkreis

  • Reflexion des vergangenen Tages (Kinder haben Gelegenheit von Themen zu berichten, die sie beschäftigen – inner- und außerschulisch).
  • Ausblick auf das Tagesvorhaben

Danach bis 10:30 Uhr Planarbeit – siehe 3.2.1.

10:30 Uhr bis 11:00 Uhr Pause

11:00 Uhr bis 12:00 Uhr „Wahlarbeit“ – siehe 3.2.2.

12:15 Uhr Mittagessen

  • Die Kinder essen gemeinsam und übernehmen eigenverantwortlich und im Wechsel den Tischdienst

13:00 Uhr bis 14:00 Uhr „Angebotsarbeit“ – siehe 3.2.3.

14:10 Uhr Abschlusskreis

  • Gelegenheit bei Bedarf über Konflikte zu sprechen, Lernergebnisse vorzustellen und den Tag Revue passieren zu lassen

14:30 Uhr bis 15:00 Uhr Offenes Ende

  • Der Schultag kann in Ruhe ausklingen
  • Zeit Verabredungen zu treffen, vom Kindertelefon aus zu klären, ob der/die Spielpartner/in auch verfügbar ist

Ab 14:30 Uhr Nachmittagsangebote

  • Freiwillige Teilnahme
  • Die Angebote sind vielfältig und wechseln:
    B. Töpfern, NABU, Seniorennachmittag, Fußball, Gärtnern, Werken

7. Digitalisierung und Umgang mit Bildschirmmedien – Medienkompetenz im Schulalltag

Unter Medienkompetenz versteht man im Allgemeinen die Fähigkeit Medien den eigenen Bedürfnissen und den eigenen Zwecken entsprechend zu nutzen und mit ihnen verantwortungsvoll umgehen zu können. Medien umgeben uns von Kindheit an und sind allgegenwärtig. Doch wie wir damit verantwortungsbewusst umgehen können, muss uns erst beigebracht werden. Für Kinder ist die Erlangung der Medienkompetenz besonders für das spätere Leben wichtig. Nur wenn Schüler schon früh an Medien herangeführt werden und die effektive Nutzung erlernen, werden sie diese z. B. auch im Arbeitsumfeld verantwortungsvoll einsetzen können. Mit medialen Inhalten kompetent umgehen zu können, ist Basis für gesellschaftliche Teilhabe und spielt eine entscheidende Rolle für die spätere Sozialisation in der Gesellschaft. Nachrichten nicht nur hinzunehmen, sondern den Ursprung und die Bedeutung zu hinterfragen stellen für das Leben wichtige Fähigkeiten dar. Auch der Austausch über aufgenommene Inhalte ist eine wichtige Kompetenz. Zudem sind die Bereiche Informationsbeschaffung, -verarbeitung, Kommunikation, Inhaltserstellung, Datenschutz und Sicherheit sowie eine problemlösungsorientierte Denkweise wichtige Fragestellungen der Medienkompetenz.

Wir dürfen Schüler mit dieser Aufgabe nicht allein lassen. Medienkompetenz sollte als Selbstverständlichkeit im Schulalltag verankert sein. Das Thema muss in Unterricht und in Projekte integriert werden, Medien müssen selbst eingesetzt werden können.

Für die „Naturtalente“ stellen wir uns Folgendes vor:

  • Smartphonefreiheit bei freiwilligem Verzicht; Bereitstellung eines Kindertelefons um beispielsweise die Eltern jederzeit anrufen zu können
  • Angebote/Lernprogramme
  • Kein unreflektierter Konsum
  • Über Anbieter einer Schul-Cloud schulintern kommunizieren. Das ist eine praktikable, übergreifende Kommunikations- und Lernplattform für Schulen, diese muss der Datenschutzverordnung entsprechen

8. Umgang mit Regeln, Grenzen und Konflikten

„Kinder testen keine persönlichen Grenzen böswillig aus, sie fordern uns nicht heraus.

Sie gelangen aber durch ihr Handeln an Grenzen um zu erfahren, wie sie sich in einer Gesellschaft richtig bewegen. Neben all den Dingen, die sie lernen, lernen sie nämlich auch, wie andere Menschen sind.“

Susanne Mierau, „Geborgene Kindheit“, 2017, Seite 104

In jeder Gemeinschaft dienen Grenzen und Regeln dem Schutz aller und sind auch wichtig, da sie das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit fördern.

Nur, wer lernt Regeln und Grenzen zu akzeptieren, die für das Wohl aller notwendig sind, wird zu verantwortungsvollem Verhalten und echtem Miteinander fähig werden.

Respekt vor Regeln entsteht vor allem dadurch, dass Kinder ihre eigenen Bedürfnisse in ihnen wiederfinden und sie, wo immer möglich, am Prozess der Regelentwicklung beteiligt sind.

So gibt es an unserer Schule folgende feste Grundregeln:

  • Niemand darf sich ohne Zustimmung des Schülers in dessen Tätigkeit einmischen.
  • Materialien dürfen nicht absichtlich zerstört werden. Sie werden nach Gebrauch weggeräumt und der Arbeitsplatz sauber hinterlassen.
  • Niemand darf geärgert oder verletzt werden.

Weitere variable Regeln können auf einer Schulversammlung festgelegt werden und auch immer wieder hinterfragt und verändert werden.

„Außer liebevoller Zuwendung, der Grundbedingung für harmonisches Wachstum, braucht jedes Kind ein Minimum an privatem Lebensraum.“

Rebeca Wild, „Sein zum Erziehen“, Heidelberg, 1991, Seite 107

Bei den „Naturtalenten“ hat jeder Schüler die Möglichkeit sich ein „Privatfach“ einzurichten, in dem wichtige Dinge aufbewahrt werden können und zu dem niemand ungefragt Zugriff hat.

Aus der Sicherheit eines solches Raumes heraus können die Kinder auch lernen Rechte anderer zu respektieren und Dinge zu teilen.

Zu verantwortungsvollen Handeln und echtem Miteinander fähig zu werden, heißt auch fähig werden, Konflikte zu lösen.

Wir sehen Konflikte und deren Lösung als Wachstumspotenzial für die Persönlichkeit.

So liegt uns viel daran den Kindern Raum für Auseinandersetzung zu lassen und sie beim Erproben von Konfliktlösungsvarianten zu begleiten. Als Basis dienen hier z. B. Methoden und Techniken aus dem Bereich der gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg und Interaktion.

Auch in die Unterrichtszeit sollen Inhalte und Übungen geeigneter Methoden einfließen. Dies kann z. B. in Form von Bearbeitung aktueller Konflikte oder als Unterrichtsangebot, in dem gezielt an erfundenen problematischen Situationen geübt wird, stattfinden.

Bei den „Naturtalenten“ werden Streitschlichter ernannt, die als Unterstützung zur Lösung von Konflikten hinzugezogen werden können.

Die Schüler sollen für die hinter einem Streit liegenden Gefühle und Absichten sensibilisiert werden und erleben dürfen, wie konstruktive Lösungsstrategien ein- und umgesetzt werden können.

Aufkommende Konflikte sollen möglichst in Anlehnung an die „Sieg-Niederlagenlosen Methode“ gelöst werden, die Thomas Gordon in seinem Buch „Familienkonferenz“ beschreibt: Darunter versteht man einen „dritten Weg“ Konflikte zu lösen.

Meist wird nur der erste oder zweite Weg gegangen:

Entweder siegt der Erwachsene über das Kind bzw. ein Kind über das andere oder umgekehrt.

Es gibt einen Besiegten mit allen damit verbundenen Problemen.

Ausgangspunkt für den „dritten Weg“ ist die Haltung:

„Ich respektiere deine Bedürfnisse, muss aber auch meine eigenen respektieren. Wir wollen uns daher immer bemühen, Lösungen unserer unvermeidlichen Konflikte zu suchen, die für uns beide einnehmbar sein werden. Auf diese Weise werden deine Bedürfnisse befriedigt werden, meine aber auch – keiner wird unterliegen, keiner wird siegen. Infolgedessen kannst du erfahren, dich als Mensch durch die Befriedigung deiner Bedürfnisse zu entfalten, aber ich kann es auch. Darum kann unsere Beziehung immer gesund bleiben, weil sie gegenseitig befriedigend sein wird. Jeder von uns kann das werden, was er zu sein fähig ist. Und wir können fortfahren, im Gefühl gegenseitigen Respekts und gegenseitiger Liebe, in Freundschaft und in Frieden Beziehungen zueinander zu haben.“

Thomas Gordon, „Familienkonferenz“, München, 1989, Seite 286

Dafür erschaffen wir an unserer Schule schützende Strukturen.

Die Kinder bekommen die Möglichkeit zu authentischer Auseinandersetzung mit Gefühlen und zu friedlichem Verhalten. Sie erleben wahrhaftige Akzeptanz und Unterstützung auch in schwierigen Entwicklungsphasen. Nur Kinder, die sich wohl fühlen, haben überhaupt die Voraussetzung für kooperatives Verhalten, für Ausdauer und Konzentration.

Fühlen sich Kinder nicht wohl, zeigen sie dies deutlich durch z. B. Ruhelosigkeit, Lustlosigkeit, Anspannung und aggressives Verhalten.

Sie greifen häufig zu Verhaltensweisen, die darunterliegende Bedürfnisse verbergen.

Bei den „Naturtalenten“ forschen wir nach den Ursachen und sehen das Anerkennen der Existenz von Gefühlen wie z. B. Wut und derer wertfreies Zulassen als wichtigen Bestandteil unserer Arbeit an.

Innere Vorgänge werden angeschaut und besprochen. Auch damit schaffen wir neuen Raum für die Lust am Lernen und Leben.

9. Schutz des Kindswohl an der Freien Schule „Naturtalente“

Wir sehen uns als Schule in der Pflicht eine gewaltfreie Umgebung für die Kinder, die uns anvertraut werden, und alle Menschen, die bei den Naturtalenten tätig sind, zu schaffen und aufrecht zu erhalten.

Gewalt hat viele Gesichter. Ist ein Kind z. B. akut in seiner körperlichen Unversehrtheit gefährdet, muss man anders reagieren als z. B. auf Störungen in der Pflege oder auf chronische Defizite. Es soll in unserem Konzept nicht darum gehen für jeden erdenklichen Fall den optimalen Verlauf zu skizzieren – vielmehr wollen wir deutlich machen, dass uns das Thema wichtig ist und wir wiederkehrend dafür sensibilisieren.

Auch werden an unserer Schule:

  • Ein verpflichtender praktischer Ablauf bei dem Verdacht auf Kindswohlgefährdung in großer Runde (Lehrkräfte, Eltern, …) festgelegt , regelmäßig überprüft und gegebenenfalls überarbeitet
  • Dieser Ablaufplan wird zusammen mit dem Arbeitsvertrag bzw. Aufnahmeantrag ausgehändigt und ist zudem stets einsehbar, so dass jeder am Schulalltag Beteiligte im Falle eines Verdachtes besonnen reagieren kann

Den Bereich der schulinternen Kindswohlgefährdung erläutern wir anhand des Beispiels „seelische Gewalt“ und den der schulexternen Kindswohlgefährdung am Beispiel der „sexualisierten Gewalt“.

9.1. Schulinterne Kindswohlgefährdung

Im Punkt „seelische Gewalt“ an der Schule orientieren wir uns an den „Reckahner Reflexionen“.

Herausgeber:

  • Deutsches Institut für Menschenrecht, Berlin
  • Deutsches Jugendinstitut e.V., München
  • MenschenRechtszentrum an der Universität Potsdam
  • Rochow-Museum und Akademie für bildungsgeschichtliche und zeitdiagnostische Forschung e.V. an der Universität Potsdam

Die Reckahner Reflexionen machen auf seelische Verletzungen aufmerksam um zur Verbesserung pädagogischer Beziehungen beizutragen.

Denn seelische Verletzungen sind die Gewaltform, von der Kinder am häufigsten betroffen sind.

Tipps für die Stärkung der pädagogischen Ethik sind hier z. B.:

  • Für Kinder und Eltern werden interne und externe Ansprechstellen geschaffen, an die sie sich wenden können, wenn pädagogische Fachkräfte sich fehlverhalten (Vertrauenslehrer, Elternvertreter, Schlichter)
  • Alle Angehörige der Schule sorgen dafür, dass bei professionellem Fehlverhalten interveniert wird um die Situation zu verbessern

Wie zuvor im Konzept schon erörtert, ist es uns äußerst wichtig die Kinder an unserer Schule wertschätzend und anerkennend zu begleiten.

Zur Verdeutlichung hier einige Beispiele, die als ethisch unzulässig bzw. als seelische Gewalt anzusehen sind:

  • Wenn Erwachsene Kinder diskriminierend, respektlos, demütigend, übergriffig oder unhöflich behandeln
  • Wenn Erwachsene Leistungen von Kindern entwertend du entmutigend kommentieren
  • Wenn Erwachsene auf das Verhalten von Kindern herabsetzend, überwältigend oder ausgrenzend reagieren
  • Wenn Erwachsene verbale, tätliche oder mediale Verletzungen zwischen Kindern ignorieren

Um einer innerinstitutionellen Kindeswohlgefährdung vorzubeugen wird an unserer Schule:

  • das Thema Kinderschutz, Umgang mit Konflikten in den Einstellungsgesprächen benannt und die Haltung des Bewerbers dazu hinterfragt
  • bei Einstellung das erweiterte Führungszeugnis überprüft und danach regelmäßig alle 5 Jahre
  • eine gute und offene Teamkultur gelebt (Fallbesprechungen, Beratung unter Kollegen, Umsetzung der gewaltfreien Kommunikation im Alltag mit Auffrischungen z.B. anhand konkreter Beispiele/Supervisionen)
  • bei Bedarf externe Beratung hinzugezogen
  • die Privatsphäre der Kinder gewahrt; die Nutzung von Fotos z. B. muss ausdrücklich erlaubt sein

9.2. Schulexterne Kindswohlgefährdung

„Sexueller Missbrauch (sexualisierte Gewalt) an Kindern ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen oder der das Kind aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Der Täter nutzt seine Macht- und Autoritätsposition aus, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.“

Bange/Deegener, „Sexueller Missbrauch an Kindern: Ausmaß, Hintergründe, Folgen“, Weinheim, 1996

Es gibt nicht „das eine“ Missbrauchssyndrom, auf das es zu achten gilt.

Neben körperlichen Anzeichen (z. B. Verletzungen) können soziale, psychosomatische und seelisch-psychische Folge auftreten.

Beispiele:

  • Konzentrationsstörungen à Schulleistungsabfall
  • Gewichtsabnahme / Entwicklung von Essstörungen
  • Einnässen bzw. Einkoten
  • Verwendung von sexuellen Ausdrücken, die nicht dem Alter entsprechend sind
  • Weglaufen von zu Hause

In einem Verdachtsfall ist es wichtig besonnen und mit Bedacht zu reagieren.

Bei den „Naturtalenten“ wird jeder Verdacht mit der pädagogischen Leitung besprochen und ggf. mit externer Beratung (erfahrene Fachkraft z.B. vom Jugendamt) über den weiteren Ablauf entschieden.

Im Umgang mit dem betroffenen Kind ist es immer wichtig die Bereitschaft zum Zuhören zu zeigen.

Es ist der Selbstbestimmung des Kindes überlassen wann, mit wem und worüber gesprochen wird.

Ab der ersten Vermutung findet eine Dokumentation statt. Diese wird schriftlich und datenschutzrechtlich korrekt festgehalten. Zum einen dient die Dokumentation als Nachweis dem gesetzlichen Auftrag nachgekommen zu sein, zum anderen stellt sie evtl. die Grundlage für ein nachfolgendes Verfahren dar.

Unter einer strikten Trennung von Fakten und subjektiven Interpretationen sind zu dokumentieren:

  • Direkte und indirekte Äußerungen des Kindes
  • Sichtbare körperliche Symptome
  • Verhalten des Kindes gegenüber Erwachsenen, Kindern und den Eltern
  • Aussage der Eltern
  • Eigenes Handeln der Fachkraft (Gespräche, Maßnahmen, …)
  • Andere Beobachtungen, Auffälligkeiten, Informationen

Bei einem Gespräch im Kollegium gilt es die eigene Wahrnehmung bzw. Unsicherheit abzugleichen. Erhärtet sich hierbei ein Verdacht, wird eine externe Beratung hinzugezogen. Zusammen mit dieser Fachkraft werden dann die nächsten möglichen Schritte besprochen und geplant. Je nach Sachlage wird der „Fall“ an das Jugendamt übergeben. Die Schule übermittelt dann sog. Risikoeinschätzungsbögen und informiert die Eltern über das Vorgehen.

10. Inklusion

Es gehört zum Selbstverständnis der „Naturtalente“, dass körperliche, geistige, emotionale, sprachliche oder sonstige Einschränkungen der Aufnahme/Arbeit in unserem Hause nicht im Wege stehen. Wir streben gleiche Chancen und Teilhabe für alle Kinder und Erwachsenen in allen Bereichen des Schulbetriebes an. Ein wichtiger Punkt ist hierbei das Gebäude hinsichtlich der Barrierefreiheit stets anzupassen bzw. weiter zu verbessern um Raum für Akzeptanz und Unterstützung zu schaffen. Der „Index für Inklusion“ wurde von Tony Booth, University of Cambridge, und Mel Ainscow, University of Manchester, entwickelt und im Jahr 2000 in England zum ersten Mal herausgegeben. Die beiden Professoren erarbeiteten den Index über einen Zeitraum von drei Jahren in einem Team aus Lehrern, Eltern, Forschern, Schulvorständen und Vertretern von Behindertenorganisationen. Das Werk hilft allen Beteiligten Barrieren und Ressourcen für Lernen und Teilhabe zu erkennen und ist als Leitfaden für die Schulentwicklung auf der Basis inklusiver Werte zu verstehen. Seit der Erstveröffentlichung wurde der „Index für Inklusion“ dreimal überarbeitet, in 35 Sprachen übersetzt, erhielt international viel Anerkennung und findet mittlerweile auch in Deutschland vermehrt Anwendung.

“Inklusion in Erziehung und Bildung bedeutet…

  • die gleiche Wertschätzung aller SchülerInnen und MitarbeiterInnen
  • die Steigerung der Teilhabe aller SchülerInnen an (und den Abbau ihres Ausschlusses von) Kultur, Unterrichtsgegenständen und Gemeinschaft ihrer Schule
  • die Weiterentwicklung der Kulturen, Strukturen und Praktiken der Schulen, so dass sie besser auf die Vielfalt der SchülerInnen ihres Umfeldes eingehen
  • den Abbau von Barrieren für Lernen und Teilhabe aller SchülerInnen, nicht nur solcher mit Beeinträchtigungen oder solcher, denen besonderer Förderbedarf zugesprochen wird […]
  • die Sichtweise, dass Unterschiede zwischen den SchülerInnen Chancen für das gemeinsame Lernen sind und nicht Probleme, die es zu überwinden gilt
  • die Anerkennung, dass alle SchülerInnen ein Recht auf wohnortnahe Bildung und Erziehung haben
  • die Verbesserung von Schulen nicht nur für die SchülerInnen, sondern auch für alle anderen Beteiligten
  • die Betonung der Bedeutung von Schulen dafür Gemeinschaften aufzubauen, Werte zu vermitteln und Leistungen zu steigern
  • den Auf- und Ausbau nachhaltiger Beziehungen zwischen Schulen und Gemeinden
  • den Anspruch, dass Inklusion in der Erziehung und Bildung ein Aspekt von Inklusion in der Gesellschaft ist.“

(Zitat: Tony Booth / Mel Ainscow, „Index für Inklusion“, 2003, Seite 10, Abb. 1)

Gemäß des „Index für Inklusion“ wird eine entsprechend ausgebildete Fachkraft zur Umsetzung dessen an unserer Schule benannt. Sollte ein Bewerber für die Stelle der Inklusionsbeauftragten selbst ein Handicap haben, wird bei gleicher Eignung eine Einstellung bevorzugt behandelt.

Zudem werden in regelmäßig stattfindenden Fallbesprechungen individuelle Förderpläne für die betreffenden SchülerInnen erstellt. Diese Pläne orientieren sich an Beobachtungen und Diagnosen des multiprofessionellen Teams. Eventuell eingesetzte Schulbegleiter oder andere Therapeuten werden als Bereicherung angesehen. Für die Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs ist die „Verordnung zum Bedarf an sonderpädagogische Unterstützung“ vom 22.01.2013 Nds. GVDI. Nr. 2/2013 rechtlich bindend. Wir plädieren für eine Lernumfeldanalyse im vertrauten schulischen Lernfeld. Dies ist zum einen für die Qualität des Gutachtens und zum anderen zum Schutze unserer SchülerInnen wichtig. Die Förderlehrkraft der öffentlichen Schule ist herzlich willkommen sich die für das Fördergutachten benötigte Zeit der Begutachtung an unserer Schule aufzuhalten.

Wir legen in unserem Konzept Wert auf demokratische Erziehung bzw. das Erlernen von gelebter Demokratie.

Um Demokratie leben zu können, sollte jeder Mensch die Chance der Teilhabe und Wissensaneignung haben.

Jedes Kind sollte die Möglichkeit bekommen die Schule zu besuchen, die ihm zusagt, die ihm die Richtige zu sein scheint.

Als freie Schule sind wir nicht in das starre System eingebunden, das Inklusion zurzeit noch so schwer umsetzbar macht.

Wir suchen uns z. B. selbst ein geeignetes Gebäude bzw. ein Gelände aus und durch den fehlenden Frontalunterricht und durch die verschiedenen Lernformen muss nicht jedes Kind zu jeder Zeit alles mitmachen.

Zusammen mit den Schülern, den Eltern und Lehrkräften wird es möglich sein zufriedenstellende Wege zu finden.

Aufgrund unserer Freiheit sehen wir uns als Schule mit „Inklusionsauftrag“ und empfinden es mehr als naheliegend, dass die „Naturtalente“ sich in größerem Maße für die Inklusion besonderer Kinder einsetzen als es z. B. Regelschulen möglich ist.

Inklusion bietet in Bezug auf die SchülerInnen viele Lernfelder für das Leben aller Beteiligten. z. B. Folgende:

à Toleranz

à Kennenlernen von Diversität

à Umgang mit Behinderungen unterschiedlicher Art

à Erleben, dass jeder Mensch auf seine Art „anders“ ist

à Hilfestellung geben

à Wertschätzung der eigenen Möglichkeiten

à Rücksichtnahme

à Förderung der Kreativität und Lösungsorientiertheit

à Angenommen sein in einer Gruppe

à Lernen voneinander

Von der Inklusion als Art der „Chancenannäherung“ profitieren nicht nur die Kinder mit Einschränkungen, sondern in nicht zu unterschätzendem Umfang auch die „Uneingeschränkten“. Inklusion ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist. Es braucht Barrierearmut und bauliche Voraussetzungen, vor allem aber Menschen, welche Inklusion leben.

Wir wollen uns auf keinen Fall davon entmutigen lassen, dass Inklusion zurzeit noch so schwer umsetzbar ist.

Wir sind realistisch dabei – aber es liegt uns sehr am Herzen bei den „Naturtalenten“ Wege für ein Miteinander zu finden.

11. „Weicher“ Schulanfang bei den „Naturtalenten“

Zum einen haben Kinder und ihre Eltern in jedem Jahr ab Februar/März die Möglichkeit den Alltag der „Naturtalente“ für eine längere Schnupperzeit intensiv kennenzulernen um sich für den Eintritt in die Schule zu entscheiden.

Zum anderen ermöglicht der „weiche“ Schulanfang eine „Eingewöhnungszeit“ vor dem eigentlichen Einschulungstermin.

Damit jedem neuen Kind genügend Zeit und Raum zuteilwerden kann, werden versetzte Anfangstermine für die Eingewöhnung vergeben. Etwa ein bis zwei Monate vor den Sommerferien können die zukünftigen Schüler unsere Schule besuchen und sich mit ihr vertraut machen.

Der Eintritt in die Schule wird dann nach den großen Ferien gemeinsam gefeiert.

Für Schüler, die innerhalb eines laufenden Schuljahres auf unsere Schule wechseln möchten, werden individuelle Lösungen gefunden. Eine behutsame Übergangszeit zu schaffen hat auch hier Priorität.

12. Schulwechsel

Am Ende der vierten Klasse erreichen die Schüler an unserer Schule im Ergebnis die in den Kerncurricula festgelegten Kompetenzen.

Die Kinder werden je nach Wunsch und in Absprache mit den Eltern auf einen Schulwechsel in eine staatliche Schule vorbereitet, indem z. B. ein halbes Jahr zuvor mit Tests/Benotungen gearbeitet wird.

Generell ist ein Wechsel in eine staatliche Schule zu jeder Zeit möglich – also auch inmitten der ersten vier Schuljahre – jedoch nicht wünschenswert.

Das Lernen und Zusammenwirken der „Naturtalente“ muss als Gesamtprozess angesehen werden.

Die Zeitpunkte des Kompetenzerwerbes können von den in der Kerncurricula angegebenen Zeitpunkten abweichen.

Das Bundesverwaltungsgericht geht in seinem Urteil vom 13.12.2000 (vgl. BVG: Genehmigung einer Ersatzschule nach Art. 7 Abs. 4 Satz 3 GG, Urteil 6 (5.00, 13.12.2000)) davon aus, dass ein frühzeitiger Wechsel von einer Ersatzschule auf eine öffentliche Schule eher die Ausnahme ist. Somit muss der „Leistungsstand“ der Schüler an der Ersatzschule am Ende jeden Schuljahres nicht der staatlichen Schule entsprechen.

Sollte trotzdem ein Wechsel gewünscht sein, ist es für die Kinder von großem Vorteil, wenn dieser längerfristig geplant wird. Die Schüler können sich mit Unterstützung der in der Schule tätigen Erwachsenen bestmöglich auf die neue Schule vorbereiten.

In Absprache mit Kind und Eltern nehmen die Mitarbeiter der „Naturtalente“ Kontakt zur gewählten Schule aus und kooperieren nach Möglichkeit mit dieser um den Übergang zu erleichtern.

Aus Österreich z. B. ist bekannt, dass ein Wechsel auf die Regelschule nach einer Anpassungszeit von wenigen Monaten meist ohne Schwierigkeiten verläuft, da sich die Kinder fehlende Lehrinhalte/Techniken aneignen und sich auf die abweichenden Strukturen der neuen Schule einlassen können (Pöcksteiner, 2001). Diese Erfahrung hat z. B. auch die freie Schule Heckenbeck in den vergangenen Jahren gemacht und viele positive Rückmeldungen von Lehrkräften aus anderen Schulen erhalten.

13. Aufnahmevoraussetzungen

Die freie Schule „Naturtalente“ soll allen Menschen offen stehen unabhängig von Weltanschauung, Nationalität, Religion, Hautfarbe und des sozialen Status.

Hauptvoraussetzung ist das Grundvertrauen der Eltern in die Lernkompetenzen ihrer Kinder. Die Eltern müssen sich mit dem pädagogischen Konzept auseinandergesetzt und vertraut gemacht haben. Sie sollten die selbstbestimmte Art und Weise des Lernens als die der Entwicklung des Kindes am ehesten gerecht werdende erachten. Die Bereitschaft zum Dialog und enger Zusammenarbeit mit der Schule ist von großer Bedeutung.

Die Aufnahme erfolgt nach vorhandenen Möglichkeiten, Personal- und Raumkapazität unter Berücksichtigung der Gruppenstruktur. Über die Identifizierung mit unserem Konzept hinaus, arbeiten wir nach einem Punktesystem in dem beispielsweise der Wohnort innerhalb der Gemeinde Hambühren, die Mitgliedschaft in der Gründungsinitiative/Verein, Geschwisterkind bei den „Naturtalenten“ berücksichtigt wird. Bei gleicher Eignung erfolgt eine Entscheidung über die Aufnahme über ein Losverfahren. Die Ablehnung wird den Eltern gegenüber begründet.

14. Elternmitarbeit

Ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes der „Naturtalente“ ist die Einbeziehung der Eltern.

Ihr Vertrauen bildet das Fundament, auf das unsere Schule baut – Vertrauen in unser Konzept und Vertrauen in die Kinder.

Es ist uns wichtig, dass sich die Grundsätze der Arbeit an unserer Schule auch nach dem Schulalltag im Elternhaus wiederfinden.

Die transparente Zusammenarbeit mit den Eltern, ob bei Elterngesprächen oder auf Elternabenden und die Mitarbeit im Schulbetrieb leisten einen immensen Beitrag.

Die Eltern können den Schulbetrieb auf viele verschiedene Weisen bereichern. Jeder kann sich den eigenen Vorlieben bzw. Fähigkeiten entsprechend einbringen und damit das Schulleben in seinem besonderen Charakter noch sehr viel bunter, facettenreicher und interessanter gestalten.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Eltern beispielsweise vormittags während der Unterrichtszeit in der Schule sind und z. B. in der Küche helfen, die Kinder zu Ausflügen fahren bzw. sie begleiten oder sich z. B. an der Organisation von Festen, an Renovierungen oder der Reinigung des Gebäudes beteiligen.

Die Eltern können auch die Angebots- oder Projektarbeit (z. B. im eigenen Betrieb) anbieten oder benötigte Anschauungsobjekte bzw. Materialien für bestimmte Themen beisteuern.

Wir wünschen uns, dass die Eltern unserer Schüler engagiert sind und die Schule gern mit ihrer Zeit oder ihrem Fachwissen beschenken.

Damit es für alle fair zugeht und bestimmte Bereiche sicher abgedeckt sind (letztlich spart die Elternarbeit für alle Geld ein) plädieren wir für eine verpflichtende Elternarbeit von durchschnittlich 5 Stunden pro Monat für jedes Schulelternpaar. Bei getrennt lebenden Eltern 2,5 Stunden pro Elternteil. In Fällen von außergewöhnlichen Belastungen innerhalb der Familie (schwere Krankheiten, Halbwaisen, Todesfall in der Familie) kann eine individuelle Regelung gefunden werden.

15. Schlussbemerkungen

Bei der Ausarbeitung unseres Konzeptentwurfs wurden wir vor allem von folgenden Einrichtungen inspiriert:

  • Freie Schule Braunschweig
  • Freie Schule Heckenbeck in Bad Gandersheim
  • LernArt Freie Schule Oberndorf
  • Freie Schule Wendland
  • Freie Schule am Mauerpark in Berlin
  • Montessori-Schulen
  • Waldorf-Schulen
  • Naturpädagogische KiTa Allerzwerge in Hambühren
  • Freie Schule Braunschweig
  • Freie Schule Heckenbeck in Bad Gandersheim
  • LernArt Freie Schule Oberndorf
  • Freie Schule Wendland
  • Freie Schule am Mauerpark in Berlin
  • Montessori-Schulen
  • Waldorf-Schulen
  • Naturpädagogische KiTa Allerzwerge in Hambühren