Konzept

Konzeptentwurf der
„Freien Schule Naturtalente im Aller-Leine-Tal“

Einleitung 2

2. Das Alleinstellungsmerkmal der „Naturtalente“ 5

2.1 Intrinsisch motiviert lernen 5

2.2 Jahrgangsübergreifend 5

2.3 Generationsübergreifend 6

2.4 Naturpädagogisch 7

3. Leben und Lernen bei den „Naturtalenten“ 9

3.1 Lernformen 9

3.1.1 Planarbeit 9

3.1.2 Wahlarbeit 9

3.1.3 Angebotsarbeit 9

3.1.4 Projekte 10

3.1.5 Freies Spiel 10

3.1.6 Exkursionen 10

3.1.7 Gruppenfahrt 10

3.1.8 Feste in den Gruppen 10

3.1.9 Gemeinsames Sommerfest 10

3.2 Aufgaben der Erwachsenen bei den „Naturtalenten“ 11

3.3 Entspanntes Lernen 12

3.4 Lernumgebung 13

3.4.1 Gelände und Gebäude 13

3.4.2 Die Gemeinde Hambühren 13

3.5. Formen der Beurteilung – Lernstandsbeschreibung 15

3.6 Organisation des Schulalltags – Muster-Schultag 17

3.7 Digitalisierung und Umgang mit Bildschirmmedien – Medienkompetenz im Schulalltag 18

3.8 Umgang mit Regeln, Grenzen und Konflikten 19

3.9 Schutz des Kindeswohls an der Freien Schule Naturtalente 21

3.9.1 Schulinterne Kindeswohlgefährdung 21

3.9.2 Schulexterne Kindeswohlgefährdung 23

3.10 Inklusion 24

4. Aufnahme von Schülern und Schülerinnen 28

4.1 Aufnahmevoraussetzungen 28

4.2 „Weicher“ Schulanfang bei den „Naturtalenten“ 28

4.3 Mitarbeit von (Groß-)Eltern und Bezugspersonen 28

4.4 Schulwechsel 29

5. Schlussbemerkungen 31

6. Bibliographie 32

Einleitung

Dieser Konzeptentwurf bildet die Grundlage für den Gründungsantrag der Freien Schule Naturtalente im Aller-Leine-Tal / des Gründungsvereins “Interessengemeinschaft natürliches Lernen e.V.“ in der Gemeinde Hambühren.

Welche Intentionen es gibt, eine Schulgründung anzustreben, welche Haltungen und pädagogischen Grundideen dahinterstehen, soll in einem ersten Schritt in den folgenden Statements der Schulgründerinnen deutlich werden:

Tanja: „Unser Sohn besuchte den nahegelegenen Waldkindergarten. Das naturpädagogische Konzept, welches unter anderem viel Bewegung an der frischen Luft, die Förderung von Kreativität und Wortschatz durch fehlendes vorgefertigtes Spielzeug und die Achtung vor der Natur ermöglicht, empfinden wir als eine optimale Grundlage, um den Wissensdurst und die Entdeckerlust von Kindern zu stillen. Schon sehr früh stellte sich mir die Frage, weshalb es in der Schule nicht nach einem solchen Konzept weitergehen könnte. Aus diesem Gedanken heraus sprach ich andere Eltern an, welche ähnliche Vorstellungen hatten. Schließlich haben wir uns zu einer Gruppe und letztendlich zu einem Verein zusammengeschlossen, um diese Idee in die Tat umzusetzen.“

Neele: „Schon in meiner eigenen Schulzeit habe ich mir überlegt, dass es doch auch anders gehen muss. Meine Kinder haben bis zum Schulstart mit Begeisterung gelernt. Das möchte ich erhalten. Sie sollen sich die Freude und den Spaß am Lernen bewahren, die Welt eigenständig entdecken und dabei ihre Stärken nutzen und ausbauen. Gleichzeitig möchte ich sie in einem naturnahen Umfeld aufwachsen sehen. Dies sollte allen Kindern zuteilwerden.“

Nicole: „Lernen ist ein menschliches Grundbedürfnis das Kinder von Geburt an verfolgen. Auf natürliche Art lernen, ohne dass man sie dazu erst überreden oder gar zwingen müsste. Diese Freude und Eigenständigkeit und dieses Interesse am Lernen kann zeitlebens erhalten bleiben. Das ist das Ziel diese Neugier zu behalten.“

Rilana: „Der Entschluss, sich für die Gründung einer freien naturpädagogischen Schule einzusetzen, ist für mich persönlich die logische Konsequenz aus der bedingungslosen Elternschaft, die wir zu Hause mit unseren Kindern leben. Mir ist es äußerst wichtig, dass Kinder die Chance bekommen, sich das Interesse und die Freude am Lernen selbst zu bewahren. Ich bin fest davon überzeugt, dass es in Zukunft umso wichtiger sein wird, seinen Beruf mit Spaß und Hingabe auszuüben – nur so können kreative Lösungen gefunden werden und nur so erhalten wir uns letztlich die Relevanz menschlicher Arbeitskraft. Die intrinsische Motivation der Kinder nicht durch Noten oder andere Belohnungssysteme zu untergraben, scheint für mich definitiv ein richtiger Weg zu sein.“

Die Schulgründerinnen sind sich einig:

„Kinder wollen nicht wie Fässer gefüllt werden, sondern wie Leuchten entzündet.“ (Franҫois Rabelais, 1494-1553)[1]

Inspiriert von diesem Bild nahm im Jahre 2018 die Idee einer „eigenen“ freien Schule langsam Gestalt an. Diese sollte eine Alternative zur Regelschule darstellen, ohne Frontalunterricht, Zensuren, Sitzenbleiben und Hausaufgaben auskommen, einen naturpädagogischen Schwerpunkt haben und möglichst viele Eltern in ihren Erwartungen an Wissensaneignungen und Lernen abholen. Anfang 2019 wurde der Verein “Interessengemeinschaft natürliches Lernen e. V.“ gegründet, dessen Ziel es ist, eine freie Schule entstehen zu lassen.

Das nachfolgende Konzept soll den Rohbau eines Gebäudes darstellen, das durch die mitwirkenden Menschen erst mit Leben erfüllt wird. Die Innenausstattung ist nicht starr festgelegt, sondern offen für Veränderung – seien diese angestoßen durch aktuelle Forschungsergebnisse oder durch die im Haus Agierenden. Einzelne Räume dürfen umgestaltet, Dekorationen vorgenommen und nötige Reparaturen durchgeführt werden. Die Mauern des Gebäudes bleiben allerdings unverändert und bilden einen sicheren Rahmen und Orientierung für die Menschen im Innern.[2] Auf diese Weise soll ein Ort für freies Lernen entstehen und wachsen.

Die Freie Schule Naturtalente interpretiert freies Lernen als ein Verschmelzen verschiedener pädagogischer Ansätze. Dabei bilden die entwicklungspsychologischen und lerntheoretischen Erkenntnisse von Maria Montessori und Gerald Hüther die entscheidenden Orientierungspunkte der didaktischen Überlegungen.

Maria Montessori, Ärztin, Reformpädagogin und Philosophin, entwickelte die Montessoripädagogik maßgeblich.

Sie vertrat die Annahme, dass sich Kinder von Geburt an spontan und durch aktive Auseinandersetzung mit ihrer natürlichen, sozialen und kulturellen Umwelt schrittweise ihrem inneren Plan entsprechend zu mündigen Persönlichkeiten entwickeln. Sie betonte die Einzigartigkeit eines jeden Menschen und forderte Respekt vor der Tätigkeit von Kindern und Jugendlichen.

„In Wirklichkeit trägt das Kind den Schlüssel zu seinem rätselhaften individuellen Dasein von allem Anfang in sich. Es verfügt über einen inneren Bauplan der Seele und über vorbestimmte Richtlinien für seine Entwicklung. Das alles ist aber zunächst äußerst zart und empfindlich, und ein unzeitgemäßes Eingreifen des Erwachsenen mit seinem Willen kann jeden Bauplan zerstören oder seine Verwirklichung in falsche Bahnen lenken.“ [3]

Einen Hauptgrundsatz bildet deshalb das „Prinzip der Wahlfreiheit“. Dies bedeutet, dass Kinder in einer „vorbereiteten Umgebung“ frei auswählen, womit sie sich beschäftigen wollen und dabei ihrem Lernrhythmus und individuellen Entwicklungsstand folgen. Montessori unterschied dabei Entwicklungsstufen, in denen jeweils besondere Empfänglichkeiten für den Erwerb bestimmter Fähigkeiten bestehen. Die Entwicklung des Menschen vollziehe sich nämlich in Phasen. Erwachsene können nach Montessoris Auffassung Kinder auf ihrem Weg lediglich begleiten und ihre Hilfe anbieten.

„Aufgrund dieser Empfänglichkeit vermag das Kind einen außerordentlich intensiven Zusammenhang zwischen sich und der Außenwelt herzustellen, und von diesem Augenblick an wird ihm alles leicht, begeisternd, lebendig. (…) Ist hingegen die Empfänglichkeitsperiode vorbei, so können weitere Errungenschaften nur mit reflektierender Tätigkeit, mit Aufwand von Willenskraft, mit Mühe und Anstrengung gemacht werden. Und unter der Stumpfheit wird die Arbeit zu etwas ermüdendem.“[4]

Gerald Hüther stellt in seinen Arbeiten aus neurobiologischer Perspektive dar, wie Schule beschaffen sein müsste, um das Potenzial des Gehirns voll entfalten zu können.

„Eigentlich braucht jedes Kind drei Dinge. Es braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann, es braucht Vorbilder, an denen es sich orientieren kann und es braucht Gemeinschaften, in denen es sich aufgehoben fühlt“.[5]

Hüther hält es mithin für notwendig, Angebote zu machen, die die Kinder motivieren, an ihre Erfahrungen anzuknüpfen, die weder zu schwer noch zu leicht sind und die sie auf diese Weise zu Neuem einladen. Dabei sollte der Lernstoff so vorbereitet sein, dass die Kinder ihr Lernen selbst organisieren können.

Die pädagogische Kunst für Lehrer*innen besteht für Hüther darin, Kinder liebenswert zu finden und ihnen Vertrauen zu schenken. Lehrer*innen müssten selbst von ihrer Aufgabe begeistert sein und das Wagnis eingehen, den Lernweg der Kinder zu begleiten.

Eltern und Bezugspersonen müssten häufig auch erst lernen, dass Schule und Lernen ohne Druck funktionieren kann. Wenn die Erwachsenen einer Bildungseinrichtung ein gutes Team sind, sieht Hüther enorme Möglichkeiten von Potentialentfaltung in der Schule. Hüthers Leitsatz für eine gute Schule lautet daher:

In Verbundenheit miteinander über sich selbst hinauswachsen.

2. Das Alleinstellungsmerkmal der „Naturtalente“

Die Freie Schule Naturtalente verfügt über vier konzeptionelle Eckpfeiler, durch deren spezifische Kombination sie sich sowohl von den öffentlichen Regelschulen als auch vom Montessori-Zentrum in Celle abgrenzt, sich hieraus ihr Alleinstellungsmerkmal ergibt. Die „Naturtalente“ sprechen damit eine neue E so dass Eltern- und Schülerschaft an. Als freie Schule mit einzigartigem Profil stärkt sie so auch die Gemeinde Hambühren als einen attraktiven sozio-ökonomischen Standort für Familien von außerhalb.

Im Folgenden werden diese Eckpfeiler näher erläutert.

2.1 Intrinsisch motiviert lernen

Um der Einzigartigkeit der Kinder gerecht zu werden, setzen wir an unserer Schule auf individuelles Lernen in altersgemischter Gemeinschaft unter Wahrung und Förderung der intrinsischen Motivation.

„Die Grunderkenntnis der modernen Neurobiologie heißt: Kinder, und zwar alle Kinder, kommen mit einer unglaublichen Lust am eigenen Entdecken und Gestalten zur Welt. Nie wieder ist ein Mensch so neugierig, so entdeckerfreudig, so gestaltungslustig und so begeistert darauf, das Leben kennenzulernen, wie am Anfang seines Lebens. Diese Begeisterungsfähigkeit, diese enorme Lernlust und diese unglaubliche Offenheit der Kinder sind der eigentliche Schatz der frühen Kindheit.“ [6]

Bei den „Naturtalenten“ ist es uns deshalb wichtig

  • eine anregende Lernumgebung zu schaffen
  • das Forschen, Erkunden und Entdecken mit allen Sinnen zu ermöglichen
  • durch Fantasie eigene Ideen entstehen zu lassen und diesen nachgehen zu können
  • die Möglichkeit zum Sammeln eigener Erfahrungen zu geben
  • das Erfahren und Erkennen der eigenen Grenzen zu ermöglichen
  • Werte und soziale Kompetenzen innerhalb der Gruppe zu vermitteln
  • durch Partizipation die Kompromissbereitschaft zu fördern
  • Vertrauen zu vermitteln und Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen
  • dass die Kinder sich mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen

2.2 Jahrgangsübergreifend

Im Grundschulbereich streben wir an etwa 20 Kinder zu einer Gruppe zusammenzusetzen. Es werden Kinder der Schuljahre 1 bis 4 gemeinsam beschult.

In der Gruppe gibt es etwa gleich viele Jungen und Mädchen. Die Gruppe wird von zwei Erwachsenen betreut (mindestens eine Lehrkraft plus eine pädagogisch qualifizierte Kraft).

Beim Lernen in altersgemischten Gruppen ergeben sich viele Vorteile:

  • bei der Einschulung treffen die Kinder auf ein gut funktionierendes Gruppengefüge; das Ankommen in der Gruppe wird somit erleichtert
  • gleichberechtigtes Zusammenleben und gegenseitige Achtung werden erlernt
  • Rituale und Regeln werden durch Nachahmung und Miterleben ganz natürlich vermittelt
  • ein Teil der Gruppe bleibt immer konstant und gibt somit Sicherheit
    (Bindung als Grundlage für eine gute Lernatmosphäre wird in der modernen Hirnforschung als wichtig erachtet)[7]
  • die Kinder können in vielfältige Rollen hineinwachsen (sie erleben sich als Ältere, Jüngere, als Helfende, als Hilfe Empfangende, …)
  • die Kinder fördern auf diese Weise nebenbei die Fähigkeit der Selbsteinschätzung
  • die Möglichkeit sich untereinander zu unterstützen stärkt das Selbstbewusstsein, festigt das eigene Wissen und erleichtert das Bitten um Hilfe
  • es entsteht ein „Wir-Gefühl“, Konkurrenzdenken sollte eine untergeordnete Rolle spielen
  • jüngere und ältere Kinder profitieren gleichermaßen voneinander
  • jedes Kind kann in seinem individuellen Lerntempo lernen
  • die Kinder der verschiedenen Gruppen sind für unterschiedliche Aufgaben „zuständig“ – diese Aufgabenfelder werden zusammen mit den Kindern erarbeitet,
    z. B. können die älteren Kinder Patenschaften für die Jüngeren übernehmen

2.3 Generationsübergreifend

Von Beginn der Schulgründung an, war es der Wunsch der Gründerinnen, bei den „Naturtalenten“ Jung und Alt zusammen zu bringen. Der Standort auf dem Gelände einer Seniorenbegegnungsstätte bietet optimale Voraussetzungen für intergeneratives Lernen.

Für die Kinder und ebenso für Senioren bringt die generationsübergreifende Arbeit ein sehr großes Potenzial mit sich. Im Alltag sind beide Gruppen meist voneinander getrennt und haben nicht allzu viele Berührungspunkte. Auch findet ein Leben als Großfamilie oder Mehrgenerationenhaushalt in der heutigen Zeit kaum noch statt.

Die Möglichkeiten Kinder und Senioren bei den „Naturtalenten“ zusammenzubringen, sind nahezu unerschöpflich.

So können Jung und Alt miteinander kochen, backen, gemeinsam essen, musizieren, Gartenarbeit verrichten, spazieren gehen, ein Theaterstück einüben oder Feste feiern.

Es braucht gar nicht viel, um beide Seiten zu bereichern.

Die erzählte Vergangenheit der Senioren z. B. wird für die Kinder zum spannenden Thema. Dazu können Fotos aus dieser Zeit angeschaut werden oder ein „Museumshefter“ zusammengestellt werden, worin sich ehemalige Alltagsgegenstände befinden könnten. Die Kinder können mit den Senioren Interviews zu bestimmten Themen führen oder „wie es früher war“-Rollenspiele erfinden.

Die „Naturtalente“ profitieren durch diese Arbeit wie folgt:

  • Hemmschwellen/Ängste gegenüber dem Alter werden abgebaut
  • die Kinder erfahren, dass Alter und Tod untrennbar mit dem Leben verbunden sind
  • sie integrieren den Alterungsprozess in das eigene Welt- und Menschenbild
  • es entsteht eine Sensibilität und ein Verständnis für die
    Besonderheiten (evtl. Krankheiten) im Alter
  • sie üben sich in Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein mit Senioren
  • die Kinder kommen z. B. durch Erzählungen oder alte Lieder mit Facetten des Lebens in Berührung, die ihnen sonst verborgen geblieben bzw. nicht so emotional besetzt wären.

Die Vorteile der intergenerativen Pädagogik für die Senioren werden z. B. hier anschaulich erläutert: [8]

Die „Naturtalente“ werden sowohl auf dem Schulgelände, z. B. in Form von Projekten, Festen und Aktivitäten, als auch in einem Pflegeheim bei regelmäßigen Besuchen der Einrichtung mit älteren Menschen in Kontakt kommen.

Durch die Regelmäßigkeit wird es den Kindern ermöglicht, Verbindungen zu den Senioren aufzubauen, Freundschaften zu knüpfen und den Verlauf des Alterns ganz natürlich mitzuerleben.

2.4 Naturpädagogisch

Die Naturpädagogik versteht Bildung als einen ganzheitlichen Vorgang. Neben spielerischem und forschendem Erkunden steht die sinnliche Wahrnehmung, das kreative Gestalten, Handwerkliches und das Experimentieren im methodischen Mittelpunkt. Naturpädagogik bedeutet die Natur mit allen Sinnen zu erforschen. Freies Spiel fördert die Kreativität und die Fantasie, regt außerdem zum Experimentieren an. Die Auseinandersetzung mit der Natur, ihren Phänomenen und Prozessen hat positive Auswirkungen auf die gesamte Entwicklung der Kinder. Auf Basis einer Verbundenheit zwischen den Kindern und der Natur wird ein respektvoller Umgang mit dieser gefördert.

Kinder können anhand ihrer Naturerfahrungen ihre Stellung als Mensch in den Ökosystemen der Natur erfassen, da gerade in der Kindheit Charaktereigenschaften, Werte und Normen geprägt werden. Durch Umweltbildung können sie erlernen, dass die intellektuellen und technischen Möglichkeiten verantwortliches Handeln erfordern.

Der naturpädagogische Schwerpunkt der Freien Schule Naturtalente findet darin Umsetzung, die Lernaktivitäten hauptsächlich nach draußen zu verlagern und den Unterricht dort aktiv zu erleben. Die Planarbeit (vgl. 3.1.1 Planarbeit) findet im Gebäude statt, ansonsten wird auf dem großzügigen und abwechslungsreichen Gelände gelernt. Dort laden Wald, Wiese, Teichumgebung und Lernpavillons zum Forschen und Entdecken ein. Bei extremen Wetterlagen dient ein Blockbohlenhaus als eine Art Schutzhütte.

Wir wollen die Kinder für den Verlauf der Jahreszeiten sensibilisieren und eine gesunde Lebensweise vermitteln. Angebote und Projekte richten sich nach dem Jahresrhythmus.

So oft es möglich ist, wird den Kindern Kontakt zu Tieren ermöglicht, um zu verdeutlichen, dass jedes Lebewesen eine Aufgabe im großen Ganzen erfüllt und wichtig ist. Ehrfurcht vor dem Leben wird gelehrt und der positive Einfluss von Tieren auf das Lernen genutzt. Wenn möglich könnte ein ausgebildeter „Päd-Dog“[9] oder ein qualifizierter Besuchshund im Unterricht zum Einsatz kommen.

Vgl. z. B. [10] [11]

Unser Ziel ist es, eine Grundlage für ökologisch sinnvolles Handeln, Verhalten und Entscheiden zu schaffen. Dabei sollen nicht nur Interesse und Freude an der Natur geweckt werden, sondern auch Grenzen und daraus ableitende Notwendigkeiten menschlicher Eingriffe im Wechselwirkungsgefüge aufgezeigt werden.

In der Kombination aus intrinsischem, jahrgangsübergreifendem Lernen der Klasse 1 bis 4, der generationsübergreifenden Komponente und dem Schwerpunkt in der Naturpädagogik mit Lernen von und in der Natur sehen wir unser Alleinstellungsmerkmal begründet.

3. Leben und Lernen bei den „Naturtalenten“

Uns ist wichtig, dass Schüler*innen erfahren dürfen:

  • dass sie richtig sind, wie sie sind
  • dass ihre Bedürfnisse wichtig sind und wahrgenommen werden
  • dass ihre intrinsische Motivation erhalten und gefördert wird
  • dass sie in der Schule mehr lernen als Lesen, Schreiben und Rechnen

Sie lernen für das Leben – für ihr eigenes, aber auch für die Achtung allen Lebens.

An unsere Kinder werden heute in fast allen Lebensbereichen andere Erwartungen gestellt als noch vor etwa 20 Jahren. Zum Beispiel wird in Zukunft vermehrt erwartet, dass über sogenannte „Soft Skills“ verfügt wird. Schulabgänger*innen sollen fähig sein, im Team zu arbeiten, in Zusammenhängen zu denken und eigenverantwortlich zu handeln, nur so erfüllt man die Schlüsselqualifikationen für viele überarbeitete, bzw. neu erschaffene Berufsbilder. Das Abrufen erlernter Inhalte wird immer mehr in den Hintergrund treten.

Um derart flexibel denken zu können und auch in komplexen Situationen handlungsfähig zu sein, brauchen wir neue Lernformen, in denen eben dies geschult wird.

3.1 Lernformen

Den Kindern werden im Laufe des Schulalltages vielfältige Möglichkeiten geboten sich Wissen anzueignen und neu Erlerntes zu vertiefen bzw. mit vorhandenem Wissen zu verknüpfen. Lernformen umfassen unter anderem Planarbeit, Wahlarbeit, Angebotsarbeit, Projekt und freies Spiel.

Lediglich die Planarbeit findet im Gebäude statt, die anderen Angebote nehmen die Kinder im Freien wahr.

3.1.1 Planarbeit

Planarbeit meint die Arbeit mit didaktischen Materialien (Bücher, Arbeitshefte, Freiarbeitsmaterial usw.) zur Auseinandersetzung mit Thematiken in den Fachbereichen Lesen, Schreiben, Rechnen, Sachunterricht und Sprache nach Stundenplanvorgabe.

3.1.2 Wahlarbeit

Bei der Wahlarbeit wird aus Kulturtechniken, musikalischen, kreativen und gestalterischen Einheiten oder sportlichen Elementen von den Kindern ein Lernvorhaben ausgewählt, das sie dann einzeln oder in Kleingruppen bearbeiten. Sie werden dabei von Erwachsenen begleitet und können aus einem Pool vielfältiger Arbeitsmaterialien (Lernspiele, Arbeitsblätter, Lernprogramme am Computer, Montessori-Materialien) auswählen. Kinder in ähnlichen Entwicklungsstufen und Interessensgebieten können gemeinsam Themen erarbeiten.

Durch das Erstellen von „Lernboxen“ (z. B. ein Karton mit von den Kindern gestalteten Lernanregungen zu bestimmten Interessensgebieten) wächst das Angebot zudem stetig.

3.1.3 Angebotsarbeit

Die Kinder können sich im Rahmen der Angebotsarbeit für ganz unterschiedliche Angebote entscheiden. Diese können einmalig sein oder über einen längeren Zeitraum hinweg stattfinden. Es gibt dabei selbstorganisierte, gruppeninterne und gruppenübergreifende Angebote, denkbar wäre zum Beispiel ein von den Kindern selbstverwalteter Kiosk, Werken, Gärtnern oder Fußball.

3.1.4 Projekte

Arbeitsintensiven Themen kann sich in Projekttagen gewidmet werden. z. B. als einzelner Projekttag zu einem speziellen Thema, als wiederkehrender Projekttag über einen festgelegten Zeitraum (Beispiel: vier aufeinanderfolgende Dienstage) oder als ganze Projektwoche.

3.1.5 Freies Spiel

Das freie Spiel wird von uns als wichtiger Lernprozess angesehen. Im Spiel können Kinder ihrem Bedürfnis nach freiem Experimentieren und ihrem Nachahmungstrieb nachgehen. Aus dem freien Spiel heraus entsteht Motivation, neue Fertigkeiten zu erwerben und es entstehen Impulse für Projekte und die Angebotsarbeit.

3.1.6 Exkursionen

Viele der Techniken, die in der Schule erworben werden, können dort nur unzulänglich angewandt werden oder bleiben sehr theoretisch. Es ist für uns selbstverständlich, den Kindern an unserer Schule vielfältige Kontakte und Erfahrungen mit und in realen Lebenszusammenhängen und Phänomenen zu ermöglichen. So könnte man zum Beispiel das Bieneninstitut in Celle besuchen, nachdem man sich zuvor mit Bienen, Imkerei und deren ökologischem Stellenwert beschäftigt hat.

3.1.7 Gruppenfahrt

Diese findet einmal jährlich statt. Die Schüler*innen können abwechslungsreiche Lernerfahrungen außerhalb des Schulgebäudes machen, sich sozial weiterentwickeln und mit ihrer Gruppe zusammenwachsen.

3.1.8 Feste in den Gruppen

Die Kinder können sich mit ihren Wünschen und Vorstellungen einbringen. Welche Feste werden wie gefeiert (Geburtstage, Ostern, usw.)? Rituale können festgelegt werden.

3.1.9 Gemeinsames Sommerfest

Die Freie Schule Naturtalente feiert mit allen Menschen, die sie zu dem machen, was sie ist. Das Zusammengehörigkeitsgefühl wird dadurch gestärkt.

3.2 Aufgaben der Erwachsenen bei den „Naturtalenten“

In Anlehnung an den reformpädagogischen Ansatzes Maria Montessoris kommt den Erwachsenen an unserer Schule eine hauptsächlich unterstützende Rolle zu. Sie sehen sich im gesamten Tagesablauf als Begleitende, Hilfesteller und Impulsgebende für die Kinder, setzen Vertrauen in deren selbständiges Handeln und ihren inneren Bauplan.

Die Begleiter sind Ansprechpartner, wenn:

ein Kind Interesse(n) äußert

ein Kind Schwierigkeiten mit einer Aufgabe hat

Material zu beschaffen ist, zu dem die Kinder keinen Zugang haben

Möglichkeiten der Recherche zu einem Thema aufgezeigt werden müssen

Hilfe bei sozialen Problemen gefordert ist

Kontakte hergestellt werden müssen

Zudem zeichnen sich die Erwachsenen durch einen wertschätzenden Umgang mit den Kindern aus. „Die gewaltfreie Kommunikation“[12] ist bekannt, wird angewandt und der Einsatz durch Reflexionen, tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema in Projekten usw. immer weiter professionalisiert.

Kinder und Erwachsene fühlen sich alle gemeinsam für die Schule verantwortlich und dafür, dass sich dort jeder nach Herzenslust der persönlichen Bildung widmen kann, ohne diskriminiert, behindert oder gestört zu werden.

So lernt jeder schon im Alltagsablauf, die individuellen Interessen zu entdecken, zu fördern und für sie einzustehen, wie auch für das Gemeinwohl Verantwortung zu übernehmen und sich in die soziale Gemeinschaft einzubringen.

Entscheidungen, die die gesamte Schulgemeinschaft hinsichtlich des Zusammenlebens betreffen, werden demokratisch in der Schulversammlung entschieden, in der Schüler*innen wie Lern­begleiter*­innen eine Stimme haben. Beispielsweise kann über die Schulhofgestaltung oder über einen wünschenswerten Umgang miteinander abgestimmt werden. Diese Versammlungen sind viermal jährlich vorgesehen und können zusätzlich bei Bedarf einberufen werden, wenn die Kinder sich hierfür einsetzen und beispielsweise Unterschriften sammeln. Demokratie ist so nicht nur Lernstoff, sondern gelebte Normalität.

Der intensive Kontakt zwischen den Erwachsenen und den Kindern, vor allem aber die respektvolle Begleitung schaffen einen Raum von Vertrautheit, der einen offenen Umgang ermöglicht. Die Kinder haben keinen „Lehrkörper“ vor sich, sondern eine authentische Person, mit der sie sich identifizieren können.

„In dem Maße, wie wir es fertigbringen, mit den Kindern „wir selbst“ zu sein und nicht nur eine Rolle spielen, aus der wir uns nach Beendigung des Unterrichts wieder herauspellen, sind auch die Kinder „sie selbst“ und zeigen uns in aller Offenheit wie unsere guten Absichten auf sie wirken.“[13]

3.3 Entspanntes Lernen

Sind wir Menschen nicht entspannt oder fühlen uns gestresst, kann unser Gehirn nicht richtig funktionieren und es schaltet in eine Art Fluchtmodus um. Der Neurobiologe und Hirnforscher Gerald Hüter betont den „angstfreien Lernraum“ als Voraussetzung für die Bildung von neuronalen Strukturen im Gehirn, die einen Umgang mit schwierigen Aufgaben und Situationen als Herausforderung statt als drohenden „Untergang“ überhaupt erst ermöglichen.[14]

Die Studie „Reaktion auf Leistungsbeurteilung: Auswirkungen auf Noten, Lob und Art der Informationsquelle“[15] belegt, dass Noten den Lernerfolg vermindern. Die für den Lernerfolg förderlichste Methode sei ein „Persönliches Feedback ohne Noten“, da dies die besten Lernerfolge hervorbringe.

Anstelle von Noten bzw. Bewertungen in Form von Smileys, Ampelsystem o.ä., gibt es bei den „Naturtalenten“ regelmäßig ein persönliches und detailliertes Feedback von kompetenten Erwachsenen. Dadurch werden die Kinder in ihrem Lernprozess unterstützt. Durch den Wegfall des permanenten Vergleichens der eigenen Fähigkeiten mit denen der anderen Kinder entsteht für die Schüler*innen eine angstfreie, fröhliche, lern- und kooperationsfreundliche Atmosphäre.

„Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einem Schüler, dessen Ziel es ist, eine gute Note zu bekommen und einem Schüler, dessen Ziel es ist, ein Problem zu lösen oder eine Geschichte zu verstehen. Darüber hinaus lassen Forschungsergebnisse darauf schließen, dass oft drei Dinge passieren, wenn Kinder gedrängt werden, bessere Noten in der Schule anzustreben: Sie verlieren das Interesse am Lernen selbst, sie versuchen schwierige Aufgaben zu vermeiden und sie neigen weniger dazu gründlich und kritisch nachzudenken.“[16]

3.4 Lernumgebung

3.4.1 Gelände und Gebäude

Die Freie Schule Naturtalente hat auf dem Gelände der Obels-Jünemann-Stiftung (einer Senioren­begegnungsstätte) in Hambühren ihr Zuhause gefunden.

Mitten im Ortskern, in der Nähe der Bibliothek und durch öffentliche Verkehrsmittel an Celle, Wietze und Winsen angebunden und dennoch naturnah durch das 1 ha große Waldgrundstück, finden wir hier die optimalen Bedingungen unsere Konzeption umzusetzen.

Das Blockbohlenhaus ist etwa 80 m² groß und bietet Platz für einen Bereich der Lernbegleiter*innen (abgetrennter Raum zur Lagerung von Dokumenten, Planung und Durchführung von Elterngesprächen, usw.), einen großen Gruppenraum mit Küchenzeile und einen kleineren Raum (denkbar als Leseecke, Rückzugsort zum Lernen, Ausgabe von Lehrmaterialien).

Der angrenzende Sanitäranbau verfügt zusätzlich über eine behindertengerechte Toilette.

Der Gruppenraum im Blockbohlenhaus ist mit Einzeltischen und Stühlen unterschiedlicher Höhe sowie Tafeln ausgestattet. Das Mobiliar kann bei Bedarf auch draußen genutzt werden.

Auf dem Außengelände bieten sich unzählige Möglichkeiten des freien Lernens und Spielens. Die „Naturtalente“ können Waldfläche, Wiese und Teichumgebung erkunden. Zur Unterstützung werden Lernpavillons aus Holz errichtet und so verschiedene Lernecken geschaffen.

Angrenzend an das Gelände befindet sich ein weitläufiger, abwechslungsreicher Spielplatz der Gemeinde. Durch ein Tor werden die Spielgeräte stets leicht zugänglich sein.

Die Lernumgebung wird und soll sich beständig verändern bzw. weiterentwickeln. In Projekten, die gemeinsam mit den Kindern und Eltern durchgeführt werden, wird das Gebäude und auch das Gelände stets an die Bedürfnisse der Agierenden angepasst werden.

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, werden sich auch die pädagogischen und didaktischen Prinzipien der Schule an die aktuelle Gruppenkonstellation anpassen, wobei die Grundprinzipien (jahrgangsübergreifend / generationsübergreifend / naturpädagogisch / Erhalt und Förderung der intrinsischen Motivation) bleibehalten werden.

Durch jedes Kind und jeden Erwachsenen, die neu zu den Naturtalenten kommen, wird sich etwas verändern. Unsere Schule ist stets im Fluss und bildet auch in diesem Punkt unsere gewünschte Nähe zum Leben ab (Lernen vom und für das Leben).

3.4.2 Die Gemeinde Hambühren

Die Idee, Kindern in der Natur Wissen zu vermitteln und sich aneignen zu lassen, wird im Landkreis Celle gut angenommen, wie die Existenz von Waldkindergärten in der Region („Rumpelstilzchen“ in Hermannsburg, „Trollgarten“ in Nienhagen, Waldorf-Waldkindergarten in Celle-Wietzenbruch, „Die Füchse“ in Hambühren) zeigt.

Anbei eine Übersicht über die Bedarfsplanung der Gemeinde Hambühren:

(Quelle: Bedarfsplanung Gemeinde Hambühren vom 17.06.2020)

In Hambühren erfahren die „Naturtalente“ große Unterstützung. Es wird gern gesehen, dass wir eine Möglichkeit schaffen, das Konzept der Naturpädagogik aus den Waldkindergärten im Grundschulbereich weiterzuführen.

Mit der generationsübergreifenden Komponente sprechen wir eine noch breitere Gruppe von Menschen in der Gemeinde an.

Anbei ein Überblick über angestrebte Entwicklungen für Jung und Alt, übergreifend für die Gemeinde Hambühren:

  • das Schulgelände der „Naturtalente“ wird mit Leben gefüllt werden und sich damit als Treffpunkt sowohl für die ältere als auch für die jüngere Generation empfehlen und etablieren
  • zu angebotenen Fachvorträgen werden alle Altersgruppen zusammenkommen
  • die Anzahl von Seniorennachmittagen wird zunehmen
  • gemeinsame Feste werden Generationen zusammenführen

Zusätzlich zu den älteren Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen in der Obels-Jünemann-Stiftung treffen (SoVD, NABU, SPD, …), möchten wir die Großeltern der „Naturtalente“ ansprechen, aber auch mit den Kindern regelmäßig Senioren- und Pflegeheime besuchen, um einen generationsübergreifenden Austausch zu fördern. Außerdem entstehen rund um unser Schulgelände barrierefreie Wohneinheiten, die von Senioren bezogen werden und somit weitere Berührungspunkte und Austauschmöglichkeiten zwischen verschiedenen Generationen bieten.

Zur Veranschaulichung einmal einen Überblick über die demographische Verteilung in der Gemeinde Hambühren – hochgerechnet auf das Jahr 2030[17]:

Bei den „Naturtalenten“ soll vom Leben für das Leben gelernt werden – auf vielfältige Art und Weise. Wir möchten eine echte Institution der Gemeinde darstellen, Treffpunkt und Bildungsstätte für Jung und Alt sein.

3.5. Formen der Beurteilung – Lernstandsbeschreibung

Bei der Bewertung unserer Schüler*innen legen wir Wert darauf, nicht in erster Linie das Ergebnis, sondern vor allem den Lernfortschritt und Lernprozess der „Naturtalente“ darzustellen, wertzuschätzen und individuell zu beschreiben. Daher wird die zu einem bestimmten Zeitpunkt erbrachte Leistung nicht durch Noten ausgedrückt.

Die Lernbegleiter*innen führen über jedes Kind ein Portfolio, in dem Arbeitsnachweise, Beobachtungen, sowie Selbsteinschätzungsbögen des Kindes gesammelt werden. Die Schüler*innen werden dazu angehalten, ihre Kompetenzen selbst einzuschätzen und diese Einschätzungen im Anschluss mit den Beobachtungen der Lernbegleiter*innen abzugleichen. So lernen die Kinder immer zuverlässiger, sich einzuschätzen, sich realistische Ziele zu setzen und den Lernfortschritt erfolgreich zu planen. Hierfür werden regelmäßige Gespräche geplant und dokumentiert.

Die ausführliche Dokumentation der Lernprozesse dient gleichzeitig der Reflexion der Entwicklung und dem Überblick über verwendete Materialien sowie einer Beschreibung sozialer Kompetenzen. Vorlieben und Stärken können besonders hervorgehoben, Schwächen rechtzeitig entdeckt und durch individuelle Hilfestellungen minimiert werden.

Zum Schulhalbjahr und zum Ende eines Schuljahres werden für Eltern verpflichtende Gespräche geführt, in denen sie über die Entwicklung und die erreichten Kompetenzen des Kindes informiert werden. Bei den Gesprächen werden auch Ziele für das kommende Schulhalbjahr gesteckt. Die Lernziele orientieren sich an den curricularen Vorgaben der Primarstufe des Landes Niedersachsen.

Schüler*innen können gern an den Entwicklungsgesprächen teilnehmen, sind aber nicht verpflichtet. Als Dokument erhalten die Eltern eine Zusammenfassung des Portfolios in Berichtform. Das Portfolio kann jederzeit von Eltern und Schülerschaft eingesehen werden.

Das Wiederholen einer Klasse ist generell nicht nötig. Wenn ein Kind mehr Zeit benötigt, um die Jahrgangsziele zu erreichen, verweilt es länger als vier Jahre in der vertrauten Lerngruppe. Sind die Ziele schneller erreicht, kann ein Schulkind auch nach drei Jahren auf die weiterführende Schule übergehen, sofern nicht nur die fachliche, sondern auch die soziale und emotionale Entwicklung angemessen ist. Das Vorgehen ist in jedem Fall individuell mit den Eltern abzusprechen und auf das jeweilige Kind anzupassen.

Um die Schüler*innen, die auf eine weiterführende Regelschule übergehen sollen, auf die damit verbundene Notenvergabe vorzubereiten, können ab Klasse 4 Noten erklärt und Leistungen in diesem Spektrum eingeordnet werden.

Es kann Lernstandskontrollen geben, die jedes Schulkind durchläuft. Der Zeitpunkt hierfür wird jedoch individuell mit der Lehrkraft abgesprochen. So wird sichergestellt, dass das jeweilige Kind bereit ist und keine Überforderung erfährt.

Sollten bei einem Kind gravierende Schwierigkeiten auffallen, die nicht auf eine längere Fehlzeit durch z. B. Krankheit oder Trennung / Krankheit der Eltern etc. zurückzuführen sind, kann eine Förderschullehrkraft hinzugezogen werden, um einen eventuellen Förderbedarf festzustellen.

3.6 Organisation des Schulalltags – Muster-Schultag

Die Grundschule wird in der Zeit von 7.30 bis 16.00 Uhr geöffnet sein, wobei die reine „Unterrichtszeit“ von 9 bis 14.30 Uhr geplant ist.

So wollen wir den Spagat zwischen dem Bedürfnis der Kinder nach zu bewältigenden Schultagen und dem Bedürfnis der Eltern nach Betreuung ihrer Kinder schaffen.

Am Ende bestimmen aber natürlich die Schüler*innen und Eltern wie häufig in der Woche bis 16.00 Uhr eine Betreuung stattfindet. Die Kinder sind nicht verpflichtet, dieses Angebot anzunehmen.

Einerseits bieten wir den Kindern Raum und Zeit für Aktivität, andererseits Struktur durch immer wiederkehrende Angebote. So kann sich ein Gefühl für Zeit entwickeln und die Schüler*innen orientieren sich selbst im Tagesablauf.

Es gibt keine Schulklingel, keine starren Zeiteinheiten – die Angaben dienen nur der Orientierung.

7.30 Uhr – 8.15 Uhr Gleitzeit Offener Beginn des Schultages
8.30 Uhr – 9.00 Uhr Morgenkreis Reflexion des vergangenen Tages (Kinder haben Gelegenheit von Themen zu berichten, die sie beschäftigen – inner- und außerschulisch)
Ausblick auf das Tagesvorhaben
Danach bis 10.30 Uhr Planarbeit siehe 3.1.1 Planarbeit.
10:30 Uhr – 11:00 Uhr Pause
11:00 Uhr – 12:00 Uhr Wahlarbeit siehe 3.1.2 Wahlarbeit
12:00 Uhr bis 13:00 Uhr Mittagspause Die Kinder essen gemeinsam mit den Erwachsenen
13:00 Uhr bis 14:00 Uhr Angebotsarbeit siehe 3.1.3 Angebotsarbeit
Aufräumen
14:10 Uhr Abschlusskreis Der Schultag kann in Ruhe ausklingen,
Gelegenheit, bei Bedarf über Konflikte zu sprechen, Lernergebnisse vorzustellen und den Tag Revue passieren zu lassen
14:30 Uhr Abholzeit
Oder Nachmittags­angebote bis 16:00 Uhr
Freiwillige Teilnahme
Die Angebote sind vielfältig und wechseln:
z. B. Töpfern, NABU, Seniorennachmittag, Fußball, Gärtnern, Werken

3.7 Digitalisierung und Umgang mit Bildschirmmedien – Medienkompetenz im Schulalltag

Unter Medienkompetenz versteht man im Allgemeinen die Fähigkeit, Medien den eigenen Bedürfnissen und den eigenen Zwecken entsprechend zu nutzen und mit ihnen verantwortungsvoll umgehen zu können. Medienkompetenz bezieht sich auf die Fähigkeiten des individuellen Menschen sowie auf die gesellschaftlichen Anforderungen an ihn. Medien umgeben uns von Kindheit an und sind allgegenwärtig. Doch wie wir damit verantwortungsbewusst umgehen können, muss uns erst beigebracht werden. Für Kinder ist die Erlangung der Medienkompetenz besonders für das spätere Leben wichtig. Nur wenn Schüler*innen schon früh an Medien herangeführt werden und die effektive Nutzung erlernen, werden sie diese z. B. auch im Arbeitsumfeld verantwortungsvoll einsetzen können.

Mit medialen Inhalten kompetent umgehen zu können, ist Basis für gesellschaftliche Teilhabe und spielt eine entscheidende Rolle für die spätere Sozialisation in der Gesellschaft. Nachrichten nicht nur hinzunehmen, sondern den Ursprung und die Bedeutung zu hinterfragen, stellen für das Leben wichtige Fähigkeiten dar. Auch der Austausch über aufgenommene Inhalte ist eine wichtige Kompetenz. Zudem sind die Bereiche Informationsbeschaffung, -verarbeitung, Kommunikation, Inhaltserstellung, Datenschutz und Sicherheit sowie eine problemlösungsorientierte Denkweise wichtige Fragestellungen der Medienkompetenz.

Medienkompetenz ist bei uns Bestandteil im Unterricht und in Projekten, so dass Kinder befähigt werden Medien selbst einzusetzen und für ihr Lernen zu nutzen. Auf diese Weise leisten wir als Schule unseren Beitrag zu Medienmündigkeit der Kinder.[18]

Konkret stellen wir uns für die „Naturtalente“ Folgendes vor:

  • Smartphonefreiheit bei freiwilligem Verzicht; Bereitstellung eines Kindertelefons, um beispielsweise die Eltern jederzeit anrufen zu können
  • grundsätzlich sind mitgeführte Handys im Schulalltag „unsichtbar“ – Schüler*innen nutzen diese nur in Absprache mit den Lernbegleitern und Lernbegleiterinnen zu festgelegten Zwecken (z. B. Absprachen mit den Eltern)
  • digitale Angebote/Lernprogramme finden im Rahmen der Plan- und Wahlarbeit und in Projekten ihren Einsatz, sofern sie didaktisch eine geeignete Wahl sind, einen Inhalt zu präsentieren und sich mit diesem auseinanderzusetzen bzw. sich ihn anzueignen
  • die Arbeit mit digitalen Medien wird in ihrer Form reflektiert bzw. auf diese Weise dargestellte Inhalte werden gemeinsam besprochen, damit die Kinder bewusst mit dem Gesehenen umgehen lernen.
  • Kinder lernen, wie sie digitale Medien nutzen können, um selbst erarbeitete Inhalte zu präsentieren (Präsentationen, Textverarbeitung, eigene Filme, Audioaufnahmen, …).
  • Kinder lernen, wie sie anhand eigener Fragestellungen in (digitalen) Medien Informationen recherchieren und aufarbeiten.
  • Die Schulgemeinschaft kann über einen Anbieter einer Schul-Cloud schulintern kommunizieren.

„Es ist […] nicht so, dass man am Bildschirm nichts lernen kann, aber der Bildschirm kann einfach nicht mit dem wirklichen Leben konkurrieren.“[19]

3.8 Umgang mit Regeln, Grenzen und Konflikten

„Kinder testen keine persönlichen Grenzen böswillig aus, sie fordern uns nicht heraus.
Sie gelangen aber durch ihr Handeln an Grenzen um zu erfahren, wie sie sich in einer Gesellschaft richtig bewegen. Neben all den Dingen, die sie lernen, lernen sie nämlich auch, wie andere Menschen sind.“[20]

In jeder Gemeinschaft dienen Grenzen und Regeln dem Schutz aller und sind auch deshalb wichtig, weil sie das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit fördern.

Nur wer lernt, Regeln und Grenzen zu akzeptieren, die für das eigene Wohl und das Wohl aller notwendig sind, wird zu verantwortungsvollem Verhalten und echtem Miteinander befähigt.

Respekt vor Regeln entsteht vor allem dadurch, dass Kinder ihre eigenen Bedürfnisse in ihnen wiederfinden und sie, wo immer möglich, am Prozess der Regelentwicklung beteiligt sind.

So gibt es an unserer Schule folgende feste Grundregeln:

  • Niemand darf sich ohne Zustimmung des Kindes in dessen Tätigkeit einmischen.
  • Alle Lehrmaterialien und im Lernprozess neu Entstandenes ist wertzuschätzen.
    Materialien werden nach Gebrauch weggeräumt und der Arbeitsplatz
    wird sauber hinterlassen.
  • Niemand darf verbal, nonverbal oder physisch geärgert oder verletzt werden.

Weitere variable Regeln können auf einer Schulversammlung festgelegt werden und auch immer wieder hinterfragt und verändert werden.

„Außer liebevoller Zuwendung, der Grundbedingung für harmonisches Wachstum, braucht jedes Kind ein Minimum an privatem Lebensraum.“[21]

Bei den „Naturtalenten“ hat jedes Schulkind die Möglichkeit sich ein „Privatfach“ einzurichten, in dem wichtige Dinge aufbewahrt werden können und zu dem niemand ungefragt Zugriff hat.

Aus der Sicherheit eines solches Raumes heraus können die Kinder auch lernen, Rechte anderer zu respektieren und Dinge zu teilen.

Zu verantwortungsvollem Handeln und echtem Miteinander fähig zu werden, heißt auch, fähig werden Konflikte zu lösen. Wir sehen Konflikte und deren Lösung als Wachstumspotenzial für die Persönlichkeit des Lerners aber auch der Gruppe.

So liegt uns viel daran, den Kindern Raum für Auseinandersetzung zu lassen und sie beim Erproben von Konfliktlösungsvarianten zu begleiten. Als Basis dienen hier z. B. Methoden und Techniken aus dem Bereich der gewaltfreien Kommunikation nach M. Rosenberg.

Auch in die Unterrichtszeit sollen Inhalte und Übungen geeigneter Methoden einfließen. Dies kann z. B. in Form von Bearbeitung aktueller Konflikte oder als Unterrichtsangebot, in dem gezielt an erfundenen problematischen Situationen geübt wird, stattfinden.

Bei den „Naturtalenten“ werden Streitschlichter ernannt, die als Unterstützung zur Lösung von Konflikten hinzugezogen werden können.

Die Schüler*innen sollen für die hinter einem Streit liegenden Gefühle und Absichten sensibilisiert werden und erleben dürfen, wie konstruktive Lösungsstrategien ein- und umgesetzt werden können.

Aufkommende Konflikte sollen möglichst in Anlehnung an die „Sieg-Niederlagenlosen Methode“ gelöst werden, die Thomas Gordon in seinem Buch „Familienkonferenz“ beschreibt: Darunter versteht man einen „dritten Weg“, Konflikte zu lösen.

Meist wird nur der erste oder zweite Weg gegangen:

Entweder siegt der Erwachsene über das Kind bzw. ein Kind über das andere oder umgekehrt.

Es gibt einen Besiegten mit allen damit verbundenen Problemen.

Ausgangspunkt für den „dritten Weg“ ist die Haltung:

„Ich respektiere deine Bedürfnisse, muss aber auch meine eigenen respektieren. Wir wollen uns daher immer bemühen, Lösungen unserer unvermeidlichen Konflikte zu suchen, die für uns beide einnehmbar sein werden. Auf diese Weise werden deine Bedürfnisse befriedigt werden, meine aber auch – keiner wird unterliegen, keiner wird siegen. Infolgedessen kannst du erfahren, dich als Mensch durch die Befriedigung deiner Bedürfnisse zu entfalten, aber ich kann es auch. Darum kann unsere Beziehung immer gesund bleiben, weil sie gegenseitig befriedigend sein wird. Jeder von uns kann das werden, was er zu sein fähig ist. Und wir können fortfahren, im Gefühl gegenseitigen Respekts und gegenseitiger Liebe, in Freundschaft und in Frieden Beziehungen zueinander zu haben.“[22]

Dafür erschaffen wir an unserer Schule schützende Strukturen.

Die Kinder bekommen die Möglichkeit zu authentischer Auseinandersetzung mit Gefühlen und zu friedlichem Verhalten. Sie erleben wahrhaftige Akzeptanz und Unterstützung auch in schwierigen Entwicklungsphasen. Nur Kinder, die sich wohl fühlen, haben überhaupt die Voraussetzung für kooperatives Verhalten, für Ausdauer und Konzentration.

Fühlen sich Kinder nicht wohl, zeigen sie dies deutlich durch z. B. Ruhelosigkeit, Lustlosigkeit, Anspannung und aggressives Verhalten. Sie greifen häufig zu Verhaltensweisen, die darunterliegende Bedürfnisse verbergen. Bei den „Naturtalenten“ forschen wir nach den Ursachen und sehen das Anerkennen der Existenz von Gefühlen wie z. B. Wut und derer wertfreies Zulassen als wichtigen Bestandteil unserer Arbeit an. Innere Vorgänge werden angeschaut und besprochen. Auch damit schaffen wir neuen Raum für die Lust am Lernen und Leben.

3.9 Schutz des Kindeswohls an der Freien Schule Naturtalente

Wir sehen uns als Schule in der Pflicht, eine gewaltfreie Umgebung für die Kinder, die uns anvertraut werden, und alle Menschen, die bei den Naturtalenten tätig sind, zu schaffen und aufrecht zu erhalten.

Gewalt hat viele Gesichter. Ist ein Kind z. B. akut in seiner körperlichen Unversehrtheit gefährdet, muss man anders reagieren als z. B. auf Störungen in der Pflege oder auf chronische Defizite. Es soll in unserem Konzept nicht darum gehen für jeden erdenklichen Fall den optimalen Verlauf zu skizzieren – vielmehr wollen wir deutlich machen, dass uns das Thema wichtig ist und wir wiederkehrend dafür sensibilisieren.

Auch werden an unserer Schule:

  • ein verpflichtender praktischer Ablauf bei dem Verdacht auf Kindswohlgefährdung in großer Runde (Lehrkräfte, Eltern, …) festgelegt, regelmäßig überprüft und gegebenenfalls überarbeitet
  • Dieser Ablaufplan wird zusammen mit dem Arbeitsvertrag bzw. Aufnahmeantrag ausgehändigt und ist zudem stets einsehbar, so dass jeder am Schulalltag Beteiligte im Falle eines Verdachtes besonnen reagieren kann

Den Bereich der schulinternen Kindswohlgefährdung erläutern wir anhand des Beispiels „seelische Gewalt“ und den der schulexternen Kindswohlgefährdung am Beispiel der „sexualisierten Gewalt“.

3.9.1 Schulinterne Kindeswohlgefährdung

Im Punkt „seelische Gewalt“ an der Schule orientieren wir uns an den „Reckahner Reflexionen“.

Herausgeber:

  • Deutsches Institut für Menschenrecht, Berlin
  • Deutsches Jugendinstitut e. V., München
  • MenschenRechtszentrum an der Universität Potsdam
  • Rochow-Museum und Akademie für bildungsgeschichtliche und zeitdiagnostische
    Forschung e. V. an der Universität Potsdam

Die Reckahner Reflexionen machen auf seelische Verletzungen aufmerksam, um zur Verbesserung pädagogischer Beziehungen beizutragen.

Denn seelische Verletzungen (Beispiele folgen weiter unten) sind die Gewaltform, von der Kinder am häufigsten betroffen sind.

Tipps für die Stärkung der pädagogischen Ethik sind hier z. B.:

  • Für Kinder und Eltern werden interne und externe Ansprechstellen geschaffen, an die sie sich wenden können, wenn pädagogische Fachkräfte sich fehlverhalten (Vertrauenslehrer, Elternvertreter, Schlichter)
  • Alle Angehörige der Schule sorgen dafür, dass bei professionellem Fehlverhalten interveniert wird, um die Situation zu verbessern

Wie zuvor im Konzept schon erörtert, ist es uns äußerst wichtig, die Kinder an unserer Schule wertschätzend und anerkennend zu begleiten.

  • Zur Verdeutlichung hier einige Beispiele, die als ethisch unzulässig bzw. als seelische Gewalt anzusehen sind:
  • Wenn Erwachsene Kinder diskriminierend, respektlos, demütigend, übergriffig oder unhöflich behandeln;
  • Wenn Erwachsene Leistungen von Kindern entwertend und/oder entmutigend kommentieren;
  • Wenn Erwachsene auf das Verhalten von Kindern herabsetzend, überwältigend oder ausgrenzend reagieren;
  • Wenn Erwachsene verbale, tätliche oder mediale Verletzungen zwischen Kindern ignorieren.

Um einer innerinstitutionellen Kindeswohlgefährdung vorzubeugen, wird an unserer Schule:

  • das Thema Kinderschutz, Umgang mit Konflikten in den Einstellungsgesprächen benannt und die Haltung des Bewerbers dazu hinterfragt
  • bei Einstellung das erweiterte Führungszeugnis überprüft und danach regelmäßig alle
    5 Jahre
  • eine gute und offene Teamkultur gelebt (Fallbesprechungen, Beratung unter Kollegen,
    Umsetzung der gewaltfreien Kommunikation im Alltag mit Auffrischungen z. B. anhand konkreter Beispiele/Supervisionen)
  • bei Bedarf externe Beratung hinzugezogen
  • die Privatsphäre der Kinder gewahrt; die Nutzung von Fotos z. B. muss ausdrücklich erlaubt sein

3.9.2 Schulexterne Kindeswohlgefährdung

„Sexueller Missbrauch (sexualisierte Gewalt) an Kindern ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen oder der das Kind aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Der Täter nutzt seine Macht- und Autoritätsposition aus, um seine eigenen Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.“[23]

Es gibt nicht „das eine“ Missbrauchssyndrom, auf das es zu achten gilt.

Neben körperlichen Anzeichen (z. B. Verletzungen) können soziale, psychosomatische und seelisch-psychische Folge auftreten.

Beispiele:

  • Konzentrationsstörungen  Schulleistungsabfall
  • Gewichtsabnahme / Entwicklung von Ess-Störungen
  • Einnässen bzw. Einkoten
  • Verwendung von sexuellen Ausdrücken, die nicht dem Alter entsprechend sind
  • Weglaufen von zu Hause

In einem Verdachtsfall ist es wichtig umgehend zu reagieren.

Bei den „Naturtalenten“ wird jeder Verdacht mit der pädagogischen Leitung besprochen und ggf. mit externer Beratung (erfahrene Fachkraft z. B. vom Jugendamt) über den weiteren Ablauf entschieden.

Im Umgang mit dem betroffenen Kind ist es immer wichtig, die Bereitschaft zum Zuhören zu zeigen.

Es ist der Selbstbestimmung des Kindes überlassen wann, mit wem und worüber gesprochen wird.

Ab der ersten Vermutung findet eine Dokumentation statt. Diese wird schriftlich und datenschutzrechtlich korrekt festgehalten. Zum einen dient die Dokumentation als Nachweis dem gesetzlichen Auftrag nachgekommen zu sein, zum anderen stellt sie evtl. die Grundlage für ein nachfolgendes Verfahren dar.

Unter einer strikten Trennung von Fakten und subjektiven Interpretationen sind zu dokumentieren:

  • Direkte und indirekte Äußerungen des Kindes
  • Sichtbare körperliche Symptome
  • Verhalten des Kindes gegenüber Erwachsenen, Kindern und den Eltern
  • Aussage der Eltern
  • Eigenes Handeln der Fachkraft (Gespräche, Maßnahmen, …)
  • Andere Beobachtungen, Auffälligkeiten, Informationen

Bei einem Gespräch im Kollegium gilt es die eigene Wahrnehmung bzw. Unsicherheit abzugleichen. Erhärtet sich hierbei ein Verdacht, wird eine externe Beratung hinzugezogen. Zusammen mit dieser Fachkraft werden dann die nächsten möglichen Schritte besprochen und geplant. Je nach Sachlage wird der „Fall“ an das Jugendamt übergeben. Die Schule übermittelt dann sog. Risikoeinschätzungsbögen und informiert die Eltern über das Vorgehen.

3.10 Inklusion

Es gehört zum Selbstverständnis der „Naturtalente“, die menschliche Vielfalt als Reichtum und Normalität zu verstehen. Deshalb wünschen wir uns, dass verschiedene Lernvoraussetzungen der Aufnahme/Arbeit in unserem Hause nicht im Wege stehen. Im Gegenteil möchten wir diese Unterschiedlichkeiten konstruktiv in das Leben und Lernen in unserer Schulgemeinschaft aufnehmen können. Wir streben gleiche Chancen und Teilhabe für alle Kinder und Erwachsenen in allen Bereichen des Schulbetriebes an.

Dabei verschließen wir nicht die Augen davor, dass spezifische körperliche, geistige, emotionale, soziale, auditive oder sprachliche Voraussetzungen, die die Kinder mitbringen, besonderer Aufmerksamkeit und adäquater Ressourcen bedürfen.

Diesbezüglich gilt es, bei jedem sich bewerbenden Kind gemeinsam mit den Eltern und den Mitarbeitenden zu schauen, ob und inwieweit eine Beschulung in der Freien Schule Naturtalente zum gegebenen Zeitpunkt pädagogisch sinnvoll ist oder perspektivisch möglich gemacht werden kann.

Ein wichtiger Punkt ist hierbei, das Gebäude und die materielle Ausstattung hinsichtlich der Barrierefreiheit stets anzupassen bzw. weiter zu verbessern. Weiter ist es wichtig, Inklusion Stück für Stück zur schulkulturellen Selbstverständlichkeit werden zu lassen.

Wichtiges und beständiges Instrument unserer Schulentwicklung soll deshalb der der „Index für Inklusion“ sein. Dieser wurde von Tony Booth, University of Cambridge, und Mel Ainscow, University of Manchester, entwickelt und im Jahr 2000 in England zum ersten Mal herausgegeben. Das Werk hilft allen Beteiligten, Barrieren und Ressourcen für Lernen und Teilhabe zu erkennen und ist als Leitfaden für die Schulentwicklung auf der Basis inklusiver Werte zu verstehen. [24]

“Inklusion in Erziehung und Bildung bedeutet…

  • die gleiche Wertschätzung aller Schüler*innen und MitarbeiterInnen
  • die Steigerung der Teilhabe aller SchülerInnen an (und den Abbau ihres Ausschlusses von) Kultur, Unterrichtsgegenständen und Gemeinschaft ihrer Schule
  • die Weiterentwicklung der Kulturen, Strukturen und Praktiken der Schulen, so dass sie besser auf die Vielfalt der Schüler*innen ihres Umfeldes eingehen
  • den Abbau von Barrieren für Lernen und Teilhabe aller Schüler*innen, nicht nur solcher mit Beeinträchtigungen oder solcher, denen besonderer Förderbedarf zugesprochen wird […]
  • die Sichtweise, dass Unterschiede zwischen den Schüler*innen Chancen für das gemeinsame Lernen sind und nicht Probleme, die es zu überwinden gilt
  • die Anerkennung, dass alle SchülerInnen ein Recht auf wohnortnahe Bildung und Erziehung haben
  • die Verbesserung von Schulen nicht nur für die Schüler*innen, sondern auch für alle anderen Beteiligten
  • die Betonung der Bedeutung von Schulen dafür Gemeinschaften aufzubauen, Werte zu vermitteln und Leistungen zu steigern
  • den Auf- und Ausbau nachhaltiger Beziehungen zwischen Schulen und Gemeinden
  • den Anspruch, dass Inklusion in der Erziehung und Bildung ein Aspekt von Inklusion in der Gesellschaft ist.“[25]

Gemäß des „Index für Inklusion“ wird eine entsprechend ausgebildete Fachkraft zur Umsetzung des inklusiven Schulentwicklungsprozesses an unserer Schule benannt bzw. langfristig zur „Fachkraft Inklusion“ ausgebildet.

Wir „Naturtalente“ möchten kreativ nach individuellen Lösungen suchen. Ob unsere Schule allerdings die Richtige für das jeweilige Kind ist und dieses bei den „Naturtalenten“ bestmöglich gefördert werden kann, hängt von den gegebenen personellen, räumlichen und finanziellen Möglichkeiten ab und wird zum Zeitpunkt der Neuanmeldung geprüft.

Alle Schüler*innen, die sich für die Aufnahme an der Freien Schule Naturtalente bewerben, sollten eine Schnupperzeit absolvieren. Bei Kindern, bei denen bereits zum Zeitpunkt der Schulanmeldung ein spezieller Förderbedarf vorliegt, kann diese Schnupperzeit besonders sinnvoll sein, um schon im Vorfeld einen reellen Eindruck von den aktuellen Bedingungen der Schule zu bekommen. Danach wird in einem Gespräch mit Kind, Eltern und Fachpersonal der Schule reflektiert, inwiefern die Voraussetzungen erfüllt sind entsprechendes Kind optimal zu fördern, welche Maßnahmen hierfür noch getätigt werden müssten oder ob die Schule dem Anspruch, der an sie gestellt wird, nicht gerecht werden kann.

Selbstverständlich erstellen wir für alle Schüler*innen, bei denen wir von besonderen Förder­bedarfen wissen oder diese im Zuge ihrer Schullaufbahn wahrnehmen, mindestens halbjährlich Förderpläne, die wir entsprechend evaluieren. Ggf. können wir Förderbedarfen so anhand der in der Schule vorhandenen Ressourcen beheben.

Sollte dem nicht so sein und um grundsätzlich ein multiprofessionelles Team über das Kollegium
hinaus bilden zu können, ist für uns die Zusammenarbeit mit außerschulischen Stellen und den sonderpädagogischen Unterstützungssystemen von Schulbehörde, Landkreis und Jugendämtern selbstverständlich.

Hierzu zählen für uns:

Das „Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrum Inklusive Schule“ (RZI) in Celle
und den dort angedockten mobilen Diensten

  • Hören
  • Sehen
  • Körperlich-motorische Entwicklung
  • emotional-soziale Entwicklung
  • geistige Entwicklung

Wir freuen uns über die Einschätzung der sonderpädagogischen Kollegen der mobilen Dienste, wenn wir Beratungsbedarf zu einem speziellen Kind sehen und suchen aktiv den Kontakt.

Außerdem steht die Zusammenarbeit mit den Beratern der jeweiligen sonderpädagogischen Fachrichtungen an, wenn wir als Schule ein sonderpädagogisches Gutachten zur Feststellung eines bestimmten Förderbedarfes für ein Kind in Auftrag geben.

  • Das Sozialpädiatrische Zentrum in Celle (alternativ auch Braunschweig, Hannover o.a.) oder einzelnen Kinderpsychologen und Neurologen
  • Wir raten Eltern – ggf. in Absprache oder auf Anregung der Beratungen mit den Sonderpädagogen der mobilen Dienste – eine eingehende Diagnostik, wenn diese angezeigt ist,
    z. B. bei Auffälligkeiten im Lernen, im sozialen oder emotionalen Verhalten.
  • Eine derart eingehende Untersuchung ist meist auch Voraussetzung für ein solides sonderpädagogisches Gutachten.
  • Das Jugendamt Celle sowie der Landkreis (Sozialamt) kommen als Partner hinzu, wenn Eltern aufgrund eines festgestellten Förderbedarfs eine Schulassistenz beantragen und entsprechende Hilfeplangespräche geführt werden müssen, um gemeinsam einen sinnvollen Umgang der Hilfen zu vereinbaren.
  • Außerdem können Eltern Hilfen zur Erziehung, Hilfen für Bildung und Teilhabe oder auch eine sozialpädagogische Familienhilfe über das Jugendamt beantragen, wenn sie sich ein solche Unterstützung wünschen.
  • Celler Förderschulen
    • Paul-Klee-Schule (Förderschwerpunkt Lernen)
    • Pestalozzi-Schule (Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung)
    • Sprachheilschule (Förderschwerpunkt Sprache)
  • Da Kinder zum Teil schon im Kindergarten von den Förderschulkräften der Landesbildungszentren begleitet werden, macht ein Austausch zu Schulbeginn und auch darüber hinaus Sinn, um entsprechend der bestehenden Förderpläne weiterarbeiten zu können.
  • Darüber hinaus ist uns der Austausch mit eingesetztem therapeutischen und ärztlichen Fachpersonal ein Anliegen, sofern dies der Wunsch der Eltern ist und eine entsprechende Schweigepflichtsentbindung vorliegt.
  • Außerdem suchen wir den Austausch mit den Fachkräften der Lebenshilfe Celle sowie der Lobetalarbeit e. V. Celle

Wir legen in unserem Konzept Wert auf demokratische Erziehung bzw. das Erlernen von gelebter Demokratie. Um Demokratie leben zu können, sollte jeder Mensch die Chance der Teilhabe und Wissensaneignung haben. Deshalb sollte jedes Kind die Möglichkeit bekommen, die Schule zu besuchen, die ihm zusagt, die ihm die Richtige zu sein scheint.

Zusammen mit der Schülerschaft, den Eltern und Lehrkräften wird es möglich sein, zufriedenstellende Wege zu finden.

Aufgrund unserer Freiheit sehen wir uns als Schule mit „Inklusionsauftrag“ und empfinden es als naheliegend, dass die „Naturtalente“ sich in größerem Maße für inklusives Lernen einsetzt.

Inklusion bietet in Bezug auf die Schüler*innen viele Lernfelder – z. B. Folgende:

  • Toleranz
  • Kennenlernen von Diversität
  • Umgang mit Behinderungen unterschiedlicher Art
  • Erleben, dass jeder Mensch auf seine Art „anders“ ist
  • Hilfestellung geben
  • Wertschätzung der eigenen Möglichkeiten
  • Rücksichtnahme
  • Förderung der Kreativität und Lösungsorientiertheit
  • Angenommen sein in einer Gruppe
  • Lernen voneinander

Von der Inklusion als Art der „Chancenannäherung“ profitieren nicht nur die Kinder mit Einschränkungen, sondern in nicht zu unterschätzendem Umfang auch die „Uneingeschränkten“. Inklusion ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist. Es braucht Barrierefreiheit und bauliche Voraussetzungen, vor allem aber qualifizierte Menschen, welche Inklusion leben.

Wir sind realistisch dabei – aber es liegt uns sehr am Herzen bei den „Naturtalenten“ Wege für ein Miteinander zu finden.

4. Aufnahme von Schülern und Schülerinnen

4.1 Aufnahmevoraussetzungen

Die Freie Schule Naturtalente steht allen Menschen, unabhängig von Weltanschauung, Nationalität, Religion, Hautfarbe und sozialem Status offen.

Hauptvoraussetzung ist das Grundvertrauen der Eltern und Bezugspersonen in die Lernkompetenzen ihrer Kinder. Die Eltern und Bezugspersonen müssen sich mit dem pädagogischen Konzept auseinandergesetzt und vertraut gemacht haben. Sie sollten die selbstbestimmte Art und Weise des Lernens als diejenige erachten, die der Entwicklung des Kindes am ehesten gerecht wird. Die Bereitschaft zum Dialog und enger Zusammenarbeit mit der Schule ist von großer Bedeutung.

Die Aufnahme erfolgt nach vorhandenen Möglichkeiten, Personal- und Raumkapazität unter Berücksichtigung der Gruppenstruktur. Die Einschätzung, ob ein Kind in die gewachsene Gruppe hineinpasst, übernimmt das Fachpersonal der „Naturtalente“. Vielleicht hat das Kind schon einmal in den Alltag hineingeschnuppert oder ist den Lernbegleitern und Lernbegleiterinnen von Besuchen der in diesem Jahr schulpflichtigen Kindern der (Wald-)Kindergärten bekannt. In jedem Fall werden Kind und Eltern zu einem Gespräch eingeladen. Über die Identifizierung mit unserem Konzept hinaus, arbeiten wir nach einem Punktesystem, in dem unter anderem der Wohnort innerhalb der Gemeinde Hambühren, die Mitgliedschaft in der Gründungsinitiative/Verein, und der Aspekt Geschwisterkind bei den „Naturtalenten“ berücksichtigt wird. Bei gleicher Eignung erfolgt eine Entscheidung über die Aufnahme über ein Losverfahren. Die Ablehnung wird den Eltern gegenüber begründet.

4.2 „Weicher“ Schulanfang bei den „Naturtalenten“

Wir möchten mit einem „weichen“ Schulanfang arbeiten. Das bedeutet zum einen, dass die Kinder und ihre Eltern in jedem Jahr ab Februar/März die Möglichkeit haben, den Alltag der „Naturtalente“ für eine längere Schnupperzeit intensiv kennenzulernen, um sich für den Eintritt in die Schule zu entscheiden.

Zum anderen ermöglicht der „weiche“ Schulanfang eine „Eingewöhnungszeit“ vor dem eigentlichen Einschulungstermin. Damit jedem neuen Kind genügend Zeit und Raum zuteilwerden kann, werden versetzte Anfangstermine für die Eingewöhnung vergeben. Etwa ein bis zwei Monate vor den Sommerferien können die zukünftigen Schüler*innen unsere Schule besuchen und sich mit ihr vertraut machen.

Der Eintritt in die Schule wird dann nach den großen Ferien gemeinsam gefeiert.

Für Schüler*innen, die innerhalb eines laufenden Schuljahres auf unsere Schule wechseln möchten, werden individuelle Lösungen gefunden, was die zeitliche und fachliche Integration anbelangt. Eine behutsame Übergangszeit zu schaffen, hat auch hier Priorität.

4.3 Mitarbeit von (Groß-)Eltern und Bezugspersonen

Ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes der „Naturtalente“ ist die Einbeziehung der Eltern und Bezugspersonen der Kinder und im Zuge unserer generationsübergreifenden Arbeit natürlich auch die der Großeltern.

Ihr Vertrauen bildet das Fundament, auf das unsere Schule baut – Vertrauen in unser Konzept und Vertrauen in die Kinder.

Es ist uns wichtig, dass sich die Grundsätze der Arbeit an unserer Schule auch nach dem Schulalltag im Elternhaus wiederfinden.

Die transparente Zusammenarbeit mit den Eltern, ob bei Elterngesprächen oder auf Eltern­abenden und die Mitarbeit im Schulbetrieb leisten einen wichtigen Beitrag.

Die Eltern können den Schulbetrieb auf viele verschiedene Weisen bereichern. Jede*r kann sich den eigenen Vorlieben bzw. Fähigkeiten entsprechend einbringen und damit das Schulleben in seinem besonderen Charakter noch sehr viel bunter, facettenreicher und interessanter gestalten.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Eltern beispielsweise vormittags während der Unterrichtszeit in der Schule sind und z. B. in der Küche helfen, die Kinder zu Ausflügen fahren bzw. sie begleiten oder sich z. B. an der Organisation von Festen, an Renovierungen oder der Reinigung des Gebäudes beteiligen.

Die Eltern können auch die Angebots- oder Projektarbeit (z. B. im eigenen Betrieb) anbieten oder benötigte Anschauungsobjekte bzw. Materialien für bestimmte Themen beisteuern.

Auch das Mitwirken motivierter Großeltern ist sehr wertvoll für uns „Naturtalente“. Großeltern haben teilweise flexiblere Zeitfenster zur Verfügung und einen großen Erfahrungsschatz, aus dem sie schöpfen. Außerdem können sie Kontakte zu anderen Senioren knüpfen, die sich an unserer Schule einbringen möchten.

Wir wünschen uns, dass die Eltern unserer Schüler*innen engagiert sind und die Schule gern mit ihrer Zeit oder ihrem Fachwissen beschenken.

Damit es für alle fair zugeht und bestimmte Bereiche sicher abgedeckt sind (letztlich spart die Elternarbeit für alle Geld ein), plädieren wir für eine verpflichtende Elternarbeit von durchschnittlich 5 Stunden pro Monat für jedes Schulelternpaar. Bei getrenntlebenden Eltern 2,5 Stunden pro Elternteil. In Fällen von außergewöhnlichen Belastungen innerhalb der Familie (schwere Krankheiten, Halbwaisen, Todesfall in der Familie) kann eine individuelle Regelung gefunden werden.

4.4 Schulwechsel

Am Ende der vierten Klasse erreichen die Schüler*innen an unserer Schule im Ergebnis die in den Kerncurricula festgelegten Kompetenzen. Die Kinder werden je nach Wunsch und in Absprache mit den Eltern auf einen Schulwechsel in eine staatliche Schule vorbereitet, indem z. B. ein halbes Jahr zuvor mit Tests/Benotungen gearbeitet wird. Generell ist ein Wechsel in eine staatliche Schule zu jeder Zeit möglich – also auch inmitten der ersten vier Schuljahre – jedoch nicht wünschenswert. Das Lernen und Zusammenwirken der „Naturtalente“ muss als Gesamtprozess angesehen werden.

Die Zeitpunkte des Kompetenzerwerbs können von den in den Kerncurricula angegebenen Zeitpunkten abweichen. Das Bundesverwaltungsgericht geht in seinem Urteil vom 13.12.2000 (vgl. BVG: Genehmigung einer Ersatzschule nach Art. 7 Abs. 4 Satz 3 GG, Urteil 6 (5.00, 13.12.2000)) davon aus, dass ein frühzeitiger Wechsel von einer Ersatzschule auf eine öffentliche Schule eher die Ausnahme ist. Somit muss der „Leistungsstand“ der Schüler*innen an der Ersatzschule am Ende jeden Schuljahres nicht der staatlichen Schule entsprechen.

Sollte trotzdem ein Wechsel gewünscht sein, ist es für die Kinder von großem Vorteil, wenn dieser längerfristig geplant wird. Die Schüler*innen können sich mit Unterstützung der in der Schule tätigen Erwachsenen bestmöglich auf die neue Schule vorbereiten.

In Absprache mit Kind und Eltern nehmen die Mitarbeiter der „Naturtalente“ Kontakt zur gewählten Schule auf, um den Übergang zu erleichtern.

Aus Österreich z. B. ist bekannt, dass ein Wechsel auf die Regelschule nach einer Anpassungszeit von wenigen Monaten meist ohne Schwierigkeiten verläuft, da sich die Kinder fehlende Lehrinhalte/Techniken aneignen und sich auf die abweichenden Strukturen der neuen Schule einlassen können[26]. Diese Erfahrung hat z. B. auch die Freie Schule Heckenbeck in den vergangenen Jahren gemacht und viele positive Rückmeldungen von Lehrkräften aus anderen Schulen erhalten. Ebenso liegen Ergebnisse einer Absolventstudie der Freien Alternativschule Kapriole in Freiburg vor, in denen festgehalten wurde, dass beim Übergang auf Regelschulen etwaige Defizite innerhalb kurzer Zeit aufgeholt werden konnten. Diese Beobachtung wird unter anderem dadurch begründet, dass die Absolventen gelernt haben, sich Inhalte intrinsisch motiviert und selbständig anzueignen. Darüber hinaus wurde von den Lernbegleiter*innen der Anschlussschulen oftmals die herausragende Sozialkompetenz der Schüler*innen hervorgehoben[27].

Zusammenfassend ist also festzuhalten, dass einem Übergang in eine Regelschule nichts entgegensteht, vorausgesetzt dieser ist frühzeitig vorbereitet und Schüler*innen und Lernbegleiter*
innen der Freien Schule Naturtalente sowie der Anschlussschule bilden ein gutes Team, um diesen Übergang konstruktiv zu begleiten.

5. Schlussbemerkungen

Bei der Ausarbeitung unseres Konzeptentwurfs wurden wir vor allem von folgenden Einrichtungen inspiriert:

  • Freie Schule Braunschweig
  • Freie Schule Heckenbeck in Bad Gandersheim
  • LernArt Freie Schule Oberndorf
  • Freie Schule Wendland
  • Freie Schule am Mauerpark in Berlin
  • Montessori-Schulen
  • Waldorf-Schulen

6. Bibliographie

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Bertelsmann Stiftung. “Hambühren.” Wegweise-kommune, 2020. https://www.wegweiser-kommune.de/kommunen/hambuehren.

Booth, Tony, und Mel Ainscow. Index Für Inklusion Ein Leitfaden Für Schulentwicklung. Weinheim: Julius Beltz GmbH & Co. KG, 2003.

Bulgrin, Eva. “Nachhaltige Lern- Und Entwicklungsförderung an Einer Freien Alternativschule- Absolventenstudie Kapriole.” PH Freiburg, 2006.

Gordon, Thomas. Familienkonferenz: Die Lösung von Konflikten Zwischen Eltern Und Kind. München: Wilhelm Heine Verlag, 1989.

Hüther, Gerald. “Neurobiologische Argumente Für Die Verwandlung von Kitas in Werkstätten Des Entdeckens Und Gestaltens.” In Das Kleine Abenteuer, edited by Karsten Engewald, 1–6. Marburg: BSJ, n.d.

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Kahl, Reinhard. “Fässer Füllen Oder Flammen Entzünden Für Eine Renaissance Der Bildung.” ETS, Princeton, NJ: ETS RR-08-30, 2008. https://www.ets.org/Media/Research/pdf/RR-08-30.pdf.

———. Kinder. Deutschland: Archiv der Zukunft, 2007. https://www.reinhardkahl.de/ueber-den-neuen-film-kinder/.

Kohn, Alfie, und Claudia Kolarik. Liebe Und Eigenständigkeit Die Kunst Bedingungsloser Elternschaft, Jenseits von Belohnung Und Bestrafung. Freiburg: Arbor-Verlag GmbH, 2010.

Lesch, Harald. Leschs Kosmos: Schule Der Zukunft. ZDF, 2020. https://www.zdf.de/wissen/leschs-kosmos/lernen-fuer-die-zukunft-100.html.

Lipnevich, Anastasiya A., und K. Smith Jeffrey. “Response to Assessment Feedback: The Effects of Grades, Praise, und Source of Information.” Princeton, 2008.

Mierau, Susanne. Geborgene Kindheit Kinder Vertrauensvoll Und Entspannt Begleiten. 3rd ed. München: Kösel-Verlag, 2017.

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Wild, Rebeca., und Lienhard. Valentin. Sein Zum Erziehen : Mit Kindern Leben Lernen. Freiburg: Arbor-Verlag GmbH, 1991.

“Wissenschaftliches Zum Schulhund |Leseprobe Aus Der Mars Heimtier-Studie.” Accessed February 21, 2020. http://www.hund-macht-schule.de/wissenschaftliches-zum-schulhund/.

  1. in Reinhard Kahl, “Fässer Füllen oder Flammen Entzünden Für Eine Renaissance Der Bildung” (ETS, Princeton, NJ: ETS RR-08-30, 2008), https://www.ets.org/Media/Research/pdf/RR-08-30.pdf.
  2. Personenbezogene Substantive schließen im laufenden Text stets alle drei Geschlechter (männlich, weiblich, divers) mit ein.
  3. Maria Montessori, Kinder Sind Anders (München: Deutscher Taschenbuchverlag (DTV) GmbH & Co., KG, 1993), 44.
  4. Montessori, 49–50.
  5. Gerald Hüther in dem Film Reinhard Kahl, Kinder (Deutschland: Archiv der Zukunft, 2007), https://www.reinhardkahl.de/ueber-den-neuen-film-kinder/.
  6. Gerald Hüther, “Neurobiologische Argumente Für Die Verwandlung von Kitas in Werkstätten Des Entdeckens Und Gestaltens,” in Das Kleine Abenteuer, ed. Karsten Engewald (Marburg: BSJ, n.d.), 2.
  7. Harald Lesch, Leschs Kosmos: Schule Der Zukunft (ZDF, 2020), https://www.zdf.de/wissen/leschs-kosmos/lernen-fuer-die-zukunft-100.html.
  8. “Intergenerative Pädagogik,” Herder, 2019, https://www.herder.de/kindergarten-paedagogik/kita-leitung/handlungskonzepte-und-profile/intergenerative-paedagogik/.
  9. „Päd-Dog“: Hund, der von einem Pädagogen im Bereich tiergestützte Therapie ausgebildet wurde und in Kindergarten oder Schule eingesetzt bzw. geführt wird.
  10. Erhard Olbrich and Carola Otterstedt, Menschen Brauchen Tiere: Grundlagen Und Praxis Der Tiergestützten Pädagogik Und Therapie (Stuttgart: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH, 2003).
  11. “Wissenschaftliches Zum Schulhund |Leseprobe Aus Der Mars Heimtier-Studie,” accessed February 21, 2020, http://www.hund-macht-schule.de/wissenschaftliches-zum-schulhund/.
  12. Marshall B. Rosenberg and Ingrid Holler, „Konflikte Lösen Durch Gewaltfreie Kommunikation“, Basispaket GFK-Grundlagen Und Training, 12th ed. (Paderborn: Junfermann Verlag, 2004).
  13. Rebeca. Wild and Lienhard. Valentin, Sein Zum Erziehen : Mit Kindern Leben Lernen (Freiburg: Arbor-Verlag GmbH, 1991), 85.
  14. Vgl. Hüther: nationaler Bildungskongress „Wie Kinder lernen“, Stuttgart, 2004
  15. Anastasiya A. Lipnevich and K. Smith Jeffrey, “Response to Assessment Feedback: The Effects of Grades, Praise, and Source of Information” (Princeton, 2008).
  16. Alfie Kohn and Claudia Kolarik, Liebe Und Eigenständigkeit Die Kunst Bedingungsloser Elternschaft, Jenseits von Belohnung Und Bestrafung (Freiburg: Arbor-Verlag GmbH, 2010), 97.
  17. Bertelsmann Stiftung, “Hambühren,” Wegweiser-kommune, 2020, https://www.wegweiser-kommune.de/kommunen/hambuehren.
  18. Dr. Paula Bleckmann: Medienmündig – wie Kinder den selbstbestimmten Umgang mit dem Bildschirm lernen; https://www.klasse2000.de/fileadmin/user_upload/downloads/tipps_fuer_eltern/Medienmuendig_Bleckmann_14.pdf, 28.01.2021.
  19. Ebd.
  20. Susanne Mierau, Geborgene Kindheit Kinder Vertrauensvoll Und Entspannt Begleiten, 3rd ed. (München: Kösel-Verlag, 2017), 104.
  21. Wild and Valentin, Sein Zum Erziehen : Mit Kindern Leben Lernen, 107.
  22. Thomas Gordon, Familienkonferenz: Die Lösung von Konflikten Zwischen Eltern Und Kind (München: Wilhelm Heine Verlag, 1989), 286.
  23. Dirk Bange and Günther Deegener, Sexueller Missbrauch an Kindern : Ausmass, Hintergründe, Folgen (Weinheim: Beltz, Psychologie Verlags Union, 1996).
  24. Die beiden Professoren erarbeiteten den Index über einen Zeitraum von drei Jahren in einem Team aus Lehrern, Eltern, Forschern, Schulvorständen und Vertretern von Behindertenorganisationen. Seit der Erstveröffentlichung wurde der „Index für Inklusion“ dreimal überarbeitet, in 35 Sprachen übersetzt, erhielt international viel Anerkennung und findet mittlerweile auch in Deutschland vermehrt Anwendung.
  25. Tony Booth and Mel Ainscow, Index Für Inklusion Ein Leitfaden Für Schulentwicklung (Weinheim: Julius Beltz GmbH & Co. KG, 2003), 10, Abb. 1.
  26. Maria Pöcksteiner, “Mit Kindern Wachsen,” Zeitschrift Für Aktives Und Selbstbestimmtes Lernen 12, no. 4 (2001).
  27. Eva Bulgrin, “Nachhaltige Lern- Und Entwicklungsförderung an Einer Freien Alternativschule- Absolventenstudie Kapriole” (PH Freiburg, 2006).